Personalrochade im Vatikan: Krajewski geht – Leo-Vertrauter rückt nach
Ein enger Vertrauter von Leo XIV. wird neuer Armenbeauftragter im Vatikan – und eines der bekanntesten Gesichter der Franziskus-Ära kehrt zurück in die Heimat. Das ist das Ergebnis der zweiten großen Personal-Rochade im Vatikan seit der Papstwahl vom 8. Mai 2025.
Namentlich geht es um den bisherigen Almosen-Beauftragten des Papstes, den polnischen Kardinal Konrad Krajewski (62), der als Erzbischof in sein Heimatbistum Łódź zurückkehrt; und um den spanischen Augustiner Luis Marín de San Martín (64), der ihn auf dem Posten des Chefs des Päpstlichen Wohltätigkeitsdienstes im Vatikan ersetzt.
Probleme mit dem Papierkram
Die Versetzung Krajewskis auf einen Bischofssitz in Polen kam nicht überraschend. Seit Monaten kursierte im Vatikan das Gerücht, es habe bei den oft spektakulär inszenierten Hilfslieferungen des hemdsärmelig vorgehenden Kardinals manchmal an der nötigen Dokumentation gemangelt.
Krajewski, der oft selbst am Lkw-Steuer saß, wenn vatikanische Hilfskonvois in die Ukraine fuhren, vertrat in diesem Punkt eine betont praktische Sichtweise von Nächstenliebe. Wenn Hilfe gebraucht werde, könne man nicht lange fackeln und fragen, sondern müsse handeln, hatte er unlängst noch gegenüber Journalisten im Vatikan betont.
Krajewski war aber auch der Kardinal, der im Auftrag von Papst Franziskus die Hilfe für Obdachlose rings um den Vatikan tatkräftig neu organisierte. Mit Schlafzelten, die genau zwischen die Säulen der Kolonnaden des Petersplatzes passen, sowie mit Angeboten zum Duschen und zum Haareschneiden machte er das Vatikan-Umfeld zu einem besonderen Anziehungspunkt für Menschen ohne festen Wohnsitz. Unter ihnen sind viele Osteuropäer.
Luis Marín de San Martín (rechts im Bild) war bisher Untersekretär der Bischofssynode. Gemeinsam mit Schwester Nathalie Becquart und Kardinal Mario Grech bildete er deren Generalsekretariat.
Ob Krajewskis Nachfolger, der spanische Augustiner Marín de San Martín, die päpstliche Obdachlosenarbeit in derselben Weise fortsetzen wird, ist ungewiss. Vom Standpunkt des Denkmalschutzes und der Hygiene sind die Notbehausungen rings um den Petersplatz nicht unproblematisch. Zudem bieten andere Hilfsorganisationen wie Sant'Egidio, die reguläre Caritas und die Stadt Rom zahlreiche Alternativen an.
Unklar ist auch, wer Maríns Posten im Synodensekretariat übernehmen wird. Die Rochade bleibt vorerst unvollendet. Wie schon vor einem halben Jahr bei der ersten Umbesetzung an der Spitze einer Vatikanbehörde – damals ging es um den neuen Präfekten des Bischofsdikasteriums, Filippo Iannone – hat der Papst zwar eine Versetzung entschieden. Aber er füllte nicht die Lücke, die dadurch anderswo entstand.
Und so ist die Stelle des Präfekten im Dikasterium für die Gesetzestexte, die einst Iannone innehatte, vakant. Frei ist jetzt auch die wichtige Stelle des Untersekretärs im Sekretariat der Weltbischofssynode.
"Almosenmeister" hat besonderen Rang
Diese Behörde koordiniert derzeit die Vorarbeit für die weltweite "kirchliche Versammlung" in Rom, die im Oktober 2028 die synodalen Reformbemühungen in der katholischen Kirche zum Abschluss bringen soll. Und so hat der Papst seinen besten Verbindungsmann zur Weltsynode an eine derzeit bloß lokal bedeutsame Stelle in Rom versetzt.
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn der "Almosenmeister" hat traditionell einen besonderen Rang in der vatikanischen Kurie. Er bleibt sogar im Amt, wenn der Stuhl Petri vakant ist. Es gilt als höchst wahrscheinlich, dass Marín sich mit der neuen Stellung für den Kardinalstitel qualifiziert. Zudem ist der Präfekt des Dikasteriums für den Dienst der Nächstenliebe auch Mitglied mehrerer weiterer Vatikandikasterien. Und er gehört der fünfköpfigen Kardinalskommission an, die der Vatikanbank IOR die politische Linie vorgibt.
