Alterzbischof Schick: Können mehr Kirchen bewahren, als viele denken
In der aktuellen Debatte um die Zukunft der bayerischen Kirchen hat sich der emeritierte Erzbischof von Bamberg, Ludwig Schick, optimistisch gezeigt. Er sei überzeugt, dass die beiden großen Kirchen mehr Gotteshäuser bewahren könnten, als viele derzeit meinten, sagte der Theologe bei einer Podiumsdiskussion in München am Donnerstagabend in der Katholischen Akademie Bayern. Sie war Teil der Fachtagung "Gotteshaus, Denkmal, Kostenfaktor – Wer und was bestimmt wirklich über die Zukunft der Kirchen?", die noch bis Samstag dauert.
Auch der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp gab sich gelassen: "Wir befinden uns in einem Wandel, aber das ist nicht der erste in der Geschichte der Kirche." Er setze auf die Energie der Menschen vor Ort: "Die müssen wir aktivieren, und damit sind wir erst ganz am Anfang", betonte Kopp. Kirchen seien "Lieblingsorte" auch für Menschen, die nicht Mitglied seien. Bei der Nutzung von Gotteshäusern wiederum sei er offen: "In Kirchen ist schon immer alles Mögliche passiert."
"Einseitig auf Liturgie getrimmt"
Diese Ansicht teilte der frühere Bamberger Erzbischof: "Kirchen hatten immer verschiedene Funktionen: Verkündigung, Heilung, Caritas. Wir haben sie zuletzt ein bisschen einseitig auf Liturgie getrimmt – das war nicht die beste Idee", sagte Schick. Bei der Nutzungsfrage von Sakralgebäuden müsse deshalb auch die katholische Kirche ihren Horizont weiten.
Unterstützung dafür kam von wissenschaftlicher Seite: Gerade für Nicht-Mitglieder hätten Gotteshäuser oft einen hohen immateriellen Wert, betonte Albert Gerhards, Gründer der Forschungsgruppe Transara für Sakralraum-Transformation an der Uni Bonn. Darin liege ein großes Potenzial für die Gemeinden, "wenn sie ihre Räume öffnen, Gastfreundschaft zeigen und bereit sind, zu teilen". In diesem Zusammenhang warnte der katholische Theologe vor zu großen Regionalgemeinden: "Da verliert man die Ehrenamtlichen vor Ort."
Gemeinden sollten "ihre Räume öffnen, Gastfreundschaft zeigen" und bereit sein zu teilen, sagte der emeritierte Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards.
Am Freitag warnten Experten vor einer "Ruinen-Romantik" für nicht länger benötigte Kirchen. Gotteshäuser, die mangels Nutzungskonzept und Finanzen stillgelegt würden, führten oft zum Verfall des angrenzenden städtischen Raums, gab Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), zu bedenken.
Jakob Johannes Koch, Kulturbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, verwies auf die dabei entstehenden Kosten: "Wenn man Vandalismus an leerstehenden Kirchen verhindern will, muss man Kosten für Wachpersonal einpreisen." Das belaufe sich schnell auf viele tausend Euro pro Jahr. Zudem könne man Gebäude nicht einfach sich selbst überlassen: "Sobald der erste Dachziegel herunterfällt, wird es gefährlich", sagte Mathias Pfeil, Generalkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.
Neue Leitlinien nötig
Die drei Teilnehmer der Podiumsdiskussion mit dem Titel "Kirche im Spannungsfeld zwischen Glaubensauftrag, Denkmalpflege und gesellschaftlichem Interesse" plädierten für neue Leitlinien und Interpretationshilfen sowohl beim Kirchenrecht als auch beim Denkmalschutz. Es gehe darum, mehr Freiraum für verschiedene Nutzungskonzepte von Kirchen zu bekommen. Denn auch für denkmalgeschützte Kirchen stehe eine "sinnvolle Nutzung, nicht der Erhalt der bloßen Gebäudehülle" im Vordergrund, sagte EKD-Beauftragter Claussen.
Die katholische Kirche in Deutschland besitzt nach eigenen Angaben rund 24.000 Sakralgebäude, von denen rund 95 Prozent unter Denkmalschutz stehen. Auf evangelischer Seite sind es bundesweit 20.361 Kirchen, von denen knapp 83 Prozent denkmalgeschützt sind. Beide Kirchen wollen ihren Gebäudebestand in den kommenden Jahren aufgrund des Mitglieder- und Kirchensteuerrückgangs reduzieren. (mal/epd)
