Zentrale Streitfrage zwischen den Kirchen

ACK-Chef sieht Ökumene-Konflikt über Umgang mit queeren Menschen

Veröffentlicht am 24.03.2026 um 12:39 Uhr – Lesedauer: 

Bonn ‐ Gender und Sexualität sind Streitpunkte zwischen Kirchen, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Zugleich bleibe der Wille groß, im Gespräch zu bleiben und gemeinsame Positionen zu vertreten.

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Der Umgang mit queeren Menschen ist nach Einschätzung des Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Christopher Easthill, die zentrale Streitfrage zwischen den Kirchen. "Die Haupttrennlinie ist in der Tat das Thema LGBTQI+", sagte Christopher Easthill dem "Eulemagazin". Die englische Abkürzung LGBTQ steht vor allem für nicht-heterosexuelle Menschen, die sich etwa als lesbisch, schwul oder queer identifizieren.

Trotz enger Zusammenarbeit der Kirchen in Deutschland bestehen in ethischen Fragen deutliche Differenzen. "Natürlich gibt es Themen, bei denen wir unterschiedlicher Meinungen sind: der Umgang mit Geschlecht und Gender, die Frage der Anerkennung von LGBTQI+", so Easthill. Auch Fragen zu Lebensbeginn und Abtreibung gehörten dazu.

Besonders sichtbar seien die Spannungen innerhalb der anglikanischen Gemeinschaft, erklärte der Anglikaner. Auch in Deutschland gebe es Gemeinden, die aufgrund konservativer Positionen nicht aktiv mit anderen zusammenarbeiteten – "und das schon seit vielen Jahren". Gleichzeitig verlaufen die Konflikte laut Easthill vergleichsweise moderat. Es gebe keinen lauten Streit. Stattdessen setzten die Kirchen auf Dialog: "Wir versuchen, mit gegenseitigem Respekt vor den Traditionen und Positionen des anderen miteinander im Gespräch zu bleiben."

Warnung vor Instrumentalisierung

Easthill warnte vor einer politischen Instrumentalisierung der Differenzen. Die von außen gezeichnete Trennung zwischen liberalen und konservativen Kirchen sei eine Ideologisierung; tatsächlich arbeiteten orthodoxe, freikirchliche und große Kirchen weithin gut zusammen.

Zugleich habe der Streit um LGBTQI+ eine besondere Funktion. Das Thema diene "den verschiedenen Lagern in den Kirchen auch als Identifikationsort, als ein Anliegen, um das man sich versammeln kann – und das man also auch für eigene Machtinteressen nutzen kann". Langfristige Veränderungen schließt Easthill dennoch nicht aus. Entwicklungen wie die Frauenordination zeigten, dass sich Positionen innerhalb der Kirchen über die Zeit verschieben könnten – vorausgesetzt, der Dialog bleibe bestehen.

Die ACK ist das wichtigste ökumenische Gremium in Deutschland. Zu ihr gehören rund 20 Kirchen und Gemeinschaften. Weitere haben einen Gast- und fünf einen Beobachterstatus. Als Ziel gilt die Überwindung der Spaltungen der Christenheit. (KNA)