Erzbischöfin ins Amt eingeführt – Prinz William und Kate dabei
England hat nun eine anglikanische Erzbischöfin: Sarah Mullally (63) ist am Mittwoch offiziell in der Kathedrale von Canterbury ins Amt eingeführt worden. Am Festgottesdienst mit rund 2.000 Gästen nahmen Prinz William und seine Frau, Prinzessin Kate, für die königliche Familie teil. Der britische Premierminister Keir Starmer repräsentierte die Regierung.
Gemäß dem Anklopfritual von Canterbury musste die neue Erzbischöfin zunächst vor dem Westportal der Kathedrale warten. Der Kathedraldekan verlas drinnen in Anwesenheit von Thronfolger Prinz William und seiner Frau Prinzessin Kate einen Brief von König Charles III., dem weltlichen Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche. Das Schreiben gestattete der Kathedralgemeinde, die Erzbischöfin am Portal in Empfang zu nehmen und zu begrüßen.
Ökumenische Verpflichtung
Am Altar leistete Mullally einen Treueid auf die Gesetze der Kirche von England und einen weiteren auf den König. In Anwesenheit von Vertretern anderer Kirchen unterzeichnete die Erzbischöfin zudem eine ökumenische Verpflichtung der Kirchen in Großbritannien.
Die gelernte Krankenpflegerin Mullally wechselte 1999 für fünf Jahre als Leiterin Pflege ins britische Gesundheitsministerium. 2001 erhielt sie die Diakonenweihe und 2006 die Priesterweihe. 2015 wurde sie von Primas Welby zur Bischöfin geweiht; in Exeter war sie Englands zweite Diözesanbischöfin. Seit 1987 ist Mullally verheiratet; sie hat zwei Kinder. Die bisherige Bischöfin von London hatte die 140 Kilometer aus der Hauptstadt in ihre neue Bischofsstadt in den vergangenen Tagen als Pilgerweg zu Fuß zurückgelegt. Als Nummer eins und Primas der anglikanischen Staatskirche von England folgt sie Erzbischof Justin Welby (70) nach.
Prinz William und die Kirche
Im Vorfeld der Einführung hatte sich ein ungenannt gebliebener Mitarbeiter des Prinzen über dessen Verhältnis zur Religion in der "Sunday Times" geäußert. Weil William im Gegensatz zu seinem Vater oder seiner Großmutter, der verstorbenen Königin Elizabeth II. (1926–2022), offenbar nie sonntags in der Kirche gesehen wird, gab es Vermutungen, das zukünftige Oberhaupt der Kirche von England habe es nicht so mit der Religion.
Mit dabei: Thronfolger Prinz William und seine Frau Prinzessin Kate.
Nach Angaben dieses Mitarbeiters hieß es in der "Sunday Times", Prinz William sei der Meinung, er möge zwar nicht jeden Tag in die Kirche gehen, aber er glaube an sie, wolle sie unterstützen und begreife das als einen wichtigen Aspekt seiner jetzigen und zukünftigen Rolle.
Die anglikanische Kirche entstand zur Zeit der Reformation in England. König Heinrich VIII. brach 1533 mit dem Papst, weil dieser sich weigerte, die Ehe des Königs zu annullieren. Als Oberhaupt einer neuen Staatskirche setzte sich Heinrich VIII. 1534 selbst ein. Weltweit zählt die anglikanische Kirche nach unterschiedlichen Angaben zwischen 77 und 85 Millionen Mitglieder. Geistliches Oberhaupt, Primas der Kirche von England sowie Ehrenoberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft ist der Erzbischof, nun die Erzbischöfin von Canterbury. (mtr/KNA)
