Katholische Kirche zu islamfreundlich? Bischof Meier kontert Kritik
Der Augsburger Bischof Bertram Meier hat den Dialog der Kirche mit dem Islam verteidigt und den Vorwurf zurückgewiesen, sie leiste einer "Islamisierung Deutschlands" Vorschub. "Das Gespräch mit anderen Religionen wie dem Islam ist keine Verbeugung vor dem Zeitgeist und keine Relativierung des christlichen Glaubens, sondern gehört zu ihm", sagte Meier der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitagabend in Frankfurt am Main.
Die katholische Kirche dürfe sich nicht von islamfeindlichen Strömungen instrumentalisieren lassen. Die Kirchenreform durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe ihr das Zugehen auf die anderen Religionen "ins Stammbuch geschrieben", betonte Meier.
Meier ist Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz und äußerte sich am Rande ihres Jahresempfangs für die Akteure im christlich-muslimischen Dialog in Frankfurt. Er warnte vor überzogenen Ängsten gegenüber dem Islam. Vielmehr stehe auch dieser vor den Herausforderungen einer wachsenden Säkularisierung.
Keine Angst vor dem Islam haben
"Vor diesem Hintergrund geht es weniger darum, dass wir Angst vor dem Islam haben müssen, sondern dass wir die Muslime stärken, die unsere Grundwerte teilen, zum Grundgesetz stehen, die Menschenwürde und die Menschenrechte verteidigen und zur Religionsfreiheit stehen", erklärte der Bischof.
Er selbst halte es mit dem Ausspruch des 2014 gestorbenen Islamkenners und Journalisten Peter Scholl-Latour, er habe weniger Angst vor der Stärke des Islams als vor der Schwäche des Christentums. Gleichwohl brauche es sinnvolle Kanäle und Ordnungen "für die große Herausforderung der Migration und Fluchtbewegungen aus islamischen Ländern", betonte Meier. Diese müssten aber auf dem Grundsatz der Würde jedes Menschen gründen.
Die katholische Kirche in Deutschland führt das Gespräch mit Musliminnen und Muslimen, Islamverbänden, muslimischen Theologen und Theologinnen auf vielen Ebenen. So haben etliche Bistümer eigene Islam-Beauftragte. Mit der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle Cibedo in Frankfurt am Main unterhält die Bischofskonferenz zudem eine wissenschaftliche Fachstelle für den christlich-islamischen Dialog. Zudem ist die Kirche auf vielfältige Weise in der Flüchtlingshilfe aktiv, insbesondere über ihren Wohlfahrtsverband Caritas. (KNA)
