Längst nicht überall gibt es ein spartanisches Fastenessen

Fisch und Hefebrötchen – Das essen Christen weltweit an Karfreitag

Veröffentlicht am 03.04.2026 um 12:00 Uhr – Von Katrin Gänsler (KNA) – Lesedauer: 

Bonn ‐ An Karfreitag geht es in der Küche ruhig und einfach zu. Fleisch gibt es nach christlicher Tradition nicht, dafür Fisch und Gemüse. Allerdings nicht überall. Auch üppige, süße Gerichte haben Tradition.

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Immer wieder Fisch. Von Argentinien bis Finnland ist es das Karfreitagsessen schlechthin, wenn auch mit regionalen Unterschieden. Während im Norden Europas gerne Hering auf den Tisch kommt, sind es in Argentinien mit Thunfisch gefüllte Teigtaschen. Doch es gibt zahlreiche weitere Essensbräuche für einen der höchsten Feiertage des Kirchenjahres.

Schweden: Passendes Karfreitagsessen in Schweden, dafür empfiehlt die schwedische Kirche – sie ist evangelisch-lutherisch – salzigen Hering. Um den Tag entsprechend zu würdigen, sollten Gläubige auch auf Süßigkeiten und weiches Brot verzichten. Besser sei hartes Brot.

Portugal: So streng ist man in Portugal, wo mehr als 85 Prozent der gut 10 Millionen Einwohner der katholischen Kirche angehören, nicht, im Gegenteil: Aufgetischt werden üppige Fischgerichte mit Tilapia oder Garnelen. Typisch ist außerdem Bacalhoada Tradicional, ein Kabeljau-Eintopf, in den auch Kartoffeln, Oliven, Paprika und Eier kommen. Auf Salziges folgt Süßes. Was wäre also besser als Pudim de Leite Condensado, ein Pudding mit Eiern und ordentlich gezuckerter Kondensmilch? Bekannt ist dieser auch in Brasilien, wo Portugal einst Kolonialmacht war.

Brasilien: Wegen der guten Haltbarkeit kam so auch der Kabeljau nach Brasilien, der ebenfalls ein gerne an Karfreitag gegessener Fisch ist. Außerdem gibt es Moqueca, ebenfalls ein Eintopf. Je nach Region variieren Zutaten und Zubereitung.

Karpfen
Bild: ©Darius Dzinnik/Fotolia.com

Immer wider vertreten: Fischgerichte.

Argentinien: Die Fischtradition zieht sich durch ganz Lateinamerika bis nach Argentinien. Dort wird er aber in Teigtaschen versteckt. Gefüllt werden die Empanadas de Vigilia mit Thunfisch, Oliven und Gemüse.

Philippinen: Von wegen einfaches Fastenessen. Auf den Philippinen wird es an Karfreitag süß und kalorienreich. In dem südostasiatischen Land gehören vier von fünf Einwohnern der katholischen Kirche an; mehr Katholiken zählt in Asien prozentual betrachtet nur Osttimor. Auf den Philippinen ist Binignit zum beliebten Karfreitagsessen geworden: Das ist eine süßliche Dessert-Suppe aus Kokosmilch, Klebreis, Kochbananen und Süßkartoffeln. Ihre markante Farbe erhält die Suppe durch die violette Yamswurzel. Fleisch enthält das Gericht der Tradition entsprechend nicht. Ein weiteres Merkmal ist laut philippinischen Medien, dass die Suppe in Gemeinschaft zubereitet und verzehrt wird.

England: Hier ist der Name Programm. In England wie auch in anderen Ländern des Commonwealth gibt es Cross Buns. Das sind süße Hefebrötchen mit Gewürzen wie Zimt, Muskat und Kardamom, die mit einem Teigkreuz verziert sind. Zu den Brötchen gibt es verschiedene Geschichten. Unter anderem heißt es, dass Königin Elizabeth I. Ende des 16. Jahrhunderts den Verkauf dieser stark einschränkte. Begründung: Sie galten als heilig. Gebacken wurden sie deshalb zu Hause und im Verborgenen. Im Haus aufhängten Brötchen sprach man eine heilende Wirkung zu. Wer an Karfreitag in Irland ein Cross Bun mit seinem besten Freund teilte, besiegelte die Freundschaft für das nächste Jahr.

„Wer an Karfreitag ein Cross Bun mit seinem besten Freund teilt, besiegelt die Freundschaft für das nächste Jahr.“

—  Zitat: Tradition aus Irland

Deutschland: Hefe braucht es auch für ein Karfreitagsessen, das vor allem im Münsterland im Nordwesten Deutschlands gegessen wird. Struwen sind kleine, gebratene Pfannkuchen, in die meist Rosinen gemischt und die mit Puderzucker bestreut werden. Das Wort bedeutet gekräuselt; durch das Ausbacken ist die Oberfläche uneben. Nach Informationen des Kreisheimatbunds Steinfurt stammt der erste Beleg des Backwerks bereits aus dem Jahr 1090. Mit Karfreitag hatte das aber noch nichts zu tun. In einer Urkunde hieß es demnach, dass die Stiftsdamen der Abtei Freckenhorst – der Warendorfer Ortsteil liegt bei Münster – an 25 Tagen im Jahr Struwen erhalten sollen.

Finnland: Karfreitag oder doch erst an Ostern? Bei Mämmi, dem traditionellen finnischen Malzpudding, herrscht Uneinigkeit. Das gilt auch für den Geschmack. Entweder man liebt das Gericht, das neben Malz hauptsächlich aus Roggen besteht, oder empfindet es als Zumutung. Neutral steht Mämmi kaum jemand gegenüber. Um den festen Pudding, dessen Zubereitung viele Stunden benötigt, essen zu können, braucht er aus Sicht der Mämmi-Gegner jedenfalls viel Zucker, Schlagsahne oder Vanilleeis.

Griechenland: In der griechisch-orthodoxen Kirche fällt der Karfreitag in diesem Jahr auf den 10. April. Ein üppiges Mahl gibt es nicht, stattdessen wird es vegan. Auch auf Öl und Alkohol soll verzichtet werden. Typisch für Karfreitag sind Hülsenfrüchte, gerne in Form einer Linsensuppe.

Von Katrin Gänsler (KNA)