Bischöfe rufen an Karfreitag zu Mitgefühl und Hoffnung auf

Angesichts zahlreicher Kriege und Krisen warnt der Limburger Bischof Georg Bätzing vor einer zunehmenden "Mitgefühlsmüdigkeit". Viele Menschen seien mit der anhaltenden Gewalt in verschiedenen Regionen der Welt überfordert, sagte der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz laut Manuskript am Karfreitag im Limburger Dom. "Es ist einfach zu viel, um innerlich Anteil zu nehmen."
Laut Bätzing fühlten viele Menschen eine zunehmende emotionale Distanz gegenüber dem Leid anderer. "Bei solcher Abstumpfung gegenüber dem Leid anderer spricht man von 'Compassion fatigue' – Mitgefühlsmüdigkeit." Diese äußere sich in Gleichgültigkeit, innerer Leere und dem Rückzug aus dem Mitgefühl. Dem stellte der Bischof in seiner Predigt das Beispiel Jesu gegenüber. Gerade in den Stunden seines Leidens zeige sich eine Haltung, die bis heute herausfordere: "Wenn ich den Passionserzählungen glauben darf, dann hat Jesus selbst in den bittersten Stunden seines Leidens das Mitleiden nie aufgegeben."
Der Fuldaer Bischof Michael Gerber zog Parallelen zwischen der Passion von Jesus Christus und den Erschütterungen der Gegenwart. "Aktuell geht gleichzeitig Verschiedenes zu Bruch, was über Jahrzehnte für uns selbstverständlich war", heißt es im Manuskript seiner Karfreitagspredigt. Exemplarisch nennt er den Frieden in Europa, die Stabilität von Bündnissen und die Einheit der Europäischen Union. Zugleich nähmen Terror und Gewalt zu, und die Polarisierung in der Gesellschaft verstärke sich. "Es gibt heute wohl kaum mehr jemanden, der auf die nächste Generation schaut und sagt: Mein Kind wird es einmal besser haben als ich", so Gerber über die veränderte Stimmung.
Kriege seien "Schande für die Menschheit"
Bambergs Erzbischof Herwig Gössl nannte Kriege eine "Schande für die Menschheit" und kritisierte die Todesstrafe. "Wir waren uns lange sicher, dass die Menschheit aus den großen Kriegen des 20. Jahrhunderts gelernt hat und den Frieden auf jeden Fall bewahren wird", sagte Gössl laut Mitteilung des Erzbistums. "Heute werden munter Kriege vom Zaun gebrochen, Menschen werden massenhaft, oft von der eigenen Regierung, verfolgt und gezielt umgebracht, um die eigene Macht, das eigene Überleben zu sichern."
Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck rief dazu auf, sich angesichts der Umbrüche in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft neu am Maßstab der Menschenwürde zu orientieren. "Nicht Macht, Profit oder Stärke dürfen den Weg bestimmen, sondern der Mensch selbst – als Ebenbild Gottes", sagte er beim traditionellen Kreuzweg in Bottrop auf der 118 Meter hohen Halde Haniel aus dem 2018 beendeten Steinkohlebergbau. In diesem Jahr nahmen nach Angaben eines Sprechers 900 Menschen teil.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx appellierte, trotz einer vielfach von Gewalt und nationalistischen Interessen geprägten politischen Lage an der Hoffnung auf eine bessere Welt festzuhalten. Die Menschen sollten sich in ihrem Engagement für Frieden und Solidarität nicht entmutigen lassen. Laut Marx war bereits Jesus für die Pharisäer und Schriftgelehrten ein versponnener Weltverbesserer, der die Realitäten der Welt nicht verstanden hat. Dass dieser von einer Welt sprach, in der Friede, Versöhnung, Vergebung der Sünden, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit Wirklichkeit werden, sei für die Mächtigen in Religion und Politik weltfremd und gefährlich gewesen. Deshalb hätten sie ihn zum Tod verurteilt.
„Denn nur wer den Schmerz über den Tod des Sohnes Gottes fühlt, ermisst auch den Preis, den Gott gezahlt hat für uns – und kehrt um.“
Der Würzburger Bischof Franz Jung erinnerte an die Tränen des Petrus und dessen Reue nach seinem Verrat an Jesus. Diese Art der Reue, also das Wissen, dass man schuldig geworden sei, ebne den Weg zu echter Umkehr, sagte Jung laut seiner Pressestelle. Geweint habe unter dem Kreuz auch Jesu Mutter Maria. Sie bezeichnete Jung als Vorbild für jemanden mit mitleidendem Herzen: "Denn nur wer den Schmerz über den Tod des Sohnes Gottes fühlt, ermisst auch den Preis, den Gott gezahlt hat für uns – und kehrt um."
Der Augsburger Weihbischof Florian Wörner rief dazu auf, Freiheit nicht mit Unverbindlichkeit zu verwechseln. "Viele denken, sie seien schon frei, wenn sie tun und lassen können, was sie gerade wollen", sagte Wörner laut Manuskript. "Dann spricht man von Freiheit, meint aber in Wirklichkeit Unabhängigkeit, Unverbindlichkeit, was nicht selten zu Beliebigkeit und Eigennutz führt." Es gebe keine wirkliche Freiheit ohne Verantwortung, Solidarität, Beziehung, Wachsamkeit, Mut und auch Opferbereitschaft, führte Wörner aus. "Freiheit entsteht da, wo Menschen bereit sind, etwas zu geben, sich zu geben, aus Liebe, aneinander, an Gott", ergänzte er. Die Freiheit sei sein Geschenk an die Menschen. "Christen sind nicht trotz, sondern wegen ihres Glaubens frei." (cph/KNA/epd)