Vatikan widerruft "Nihil obstat"

Seligsprechungsverfahren von deutschstämmigem Bischof gestoppt

Veröffentlicht am 10.04.2026 um 11:56 Uhr – Lesedauer: 

Quilmes ‐ Ein Bischof mit deutschen Wurzeln in Argentinien war auf dem Weg zur Seligsprechung. Doch daraus wird nach dem Einschreiten des Vatikan nun nichts. Wie die Entscheidung begründet wird.

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Der Vatikan hat die Seligsprechung des deutschstämmigen argentinischen Bischofs Jorge Novak (1928–2001) gestoppt. Wie das Bistum Quilmes am Mittwoch mitteilte, widerrief das vatikanische Selig- und Heiligsprechungsdikasterium bereits im Oktober das "Nihil obstat" für das weitere Verfahren. Die Entscheidung wurde demnach getroffen, weil Novak einen Fall von Fehlverhalten eines Priesters möglicherweise falsch behandelt hat.

Gleichzeitig hielt das Bistum fest, dass dieser Vorgang kein "moralisches Urteil über das Leben, die Tugenden und das pastorale Wirken" Novaks sei. Zudem werde er seinen Titel "Ehrwürdiger Diener Gottes" behalten. Das Seligsprechungsverfahren war 2017 vom Bistum Quilmes und dem Orden der Steyler Missionare (SVD), dem er angehörte, eröffnet worden.

Wolgadeutsche Wurzeln

Novak, dessen Eltern Wolgadeutsche waren und aus dem Russischen Kaiserreich ausgewandert waren, wurde in Argentinien geboren. Neben Spanisch lernte er in seiner Kindheit auch Deutsch. 1947 trat er bei den Steyler Missionaren ein, 1972 wurde er Provinzial des Ordens für das mittlere und südliche Argentinien. 1976 wurde er von Papst Paul VI. zum ersten Bischof des neuerrichteten Bistums Quilmes im östlichen Argentinien ernannt, das er bis zu seinem Tod leitete.

Novak machte sich in seiner Amtszeit besonders für Maßnahmen zugunsten der Armen und Benachteiligten stark. Bekanntheit erlangte er während der Militärdiktatur in Argentinien (1976–1983), deren Verbrechen er als einer von wenigen Bischöfen anprangerte. Er war Mitbegründer der "Ökumenischen Menschenrechtsbewegung", die sich für eine Aufklärung des Schicksals der 30.000 Verschwundenen während der Militärdiktatur einsetzt. (KNA)