Zuhören und Verstehen als erste Amtshandlung

Neuer Nuntius will Mediator und Brückenbauer sein

Veröffentlicht am 10.04.2026 um 12:39 Uhr – Lesedauer: 

Berlin ‐ Wer ist der neue Apostolische Nuntius in Berlin? In einem ersten Interview nach seiner Ernennung erzählt Hubertus van Megen, wie er das Amt versteht – und was er mit Deutschland verbindet.

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Der neue Apostolische Nuntius in Deutschland sieht sich als Mediator und Brückenbauer zwischen Lokalkirche und Universalkirche. Er wisse, dass die Kirche in Deutschland "mit Problemen konfrontiert" sei, das gelte aber letztlich für alle Kirchen, sagte Erzbischof Hubertus van Megen im Interview mit "Vatican News" (Freitag). Es gebe zwar "bestimmte Spannungen". Am Anfang wolle er aber erst einmal alles anhören und anschauen: "Ich möchte verstehen, was genau die Motive sind, warum Menschen von einer bestimmten Form von Kirche überzeugt sind, warum sie meinen, es müsse so und nicht anders sein." Er wird im Frühsommer sein Amt antreten.

Für van Megen, der am Donnerstag von Papst Leo XIV. zum Apostolischen Nuntius in Berlin ernannt wurde, kommt es darauf an, zu verstehen, wie eine Ortskirche tickt: "Was ist das innere Gefühl, das in der Religion und in der Kirche mitschwingt? Man muss die Menschen von innen heraus verstehen", betonte der Erzbischof. "Es geht nicht so sehr um große theologische Diskussionen. Es geht vielmehr um die Emotionen, die dahinterstehen. Es geht darum, wie Menschen Kirche und vor allem auch Gott erleben – in ihrem geistlichen und in ihrem täglichen Leben." Das müsse er zunächst verstehen, und zwar "nicht so sehr rational, sondern mit dem Herzen".

Der neue Nuntius hofft auf eine gute Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis. Dafür zeigte sich der ehemalige Vatikan-Botschafter in Kenia optimistisch: "Denn auch in Afrika, wo die Kulturen natürlich ganz anders sind als die europäische Kultur, habe ich immer gut mit den lokalen Bischöfen zusammengearbeitet. Obwohl auch dort die Sichtweisen und Werte manchmal sehr verschieden waren von dem, was wir uns als Europäer unter Kirche vorstellen."

Familiäre Wurzeln in Deutschland

Der gebürtige Niederländer van Megen ist in Kerkrade aufgewachsen und sei schon als Kind fast jeden Tag über die Grenze nach Deutschland gekommen. Daher sei ihm sein neues Einsatzland nicht fremd, auch wenn er nie länger in Deutschland gelebt habe. "Meine Familie kommt über die Großeltern zum Teil aus Aachen, zum Teil aus Düsseldorf, zum Teil aus Eupen in Belgien, im deutschsprachigen Teil von Belgien", berichtet er von seiner Herkunft.

In Berlin war van Megen bisher nur einmal für ein Wochenende als Gymnasiast Mitte der 1980er Jahre, noch vor dem Fall der Mauer: "Es war ziemlich grau und dunkel – das ist das Einzige, woran ich mich erinnere." Dennoch freue er sich auf seinen neuen Wirkungsort: "Ich freue mich auch wieder auf die deutsche Kultur, die deutsche Musik, die deutsche Literatur, das deutsche Essen und natürlich auch die deutsche Sprache."

Der 1961 geborene Erzbischof ist nach seiner Priesterweihe für das Bistum Roermond in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls gewechselt. Nach Stationen in Somalia, Brasilien, Israel und der Slowakei sowie als Nuntiaturrat an der Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf und in Malawi wurde er 2014 Nuntius im Sudan und in Eritrea, 2019 wechselte er als Nuntius nach Kenia und in den Südsudan. Im selben Jahr ernannte ihn Papst Franziskus darüber hinaus zum Ständigen Beobachter beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen und beim Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen, die beide wie die Nuntiatur in Kenia ihren Sitz haben. (fxn)