Neuer Nuntius in Deutschland

Hubertus van Megen – Papst Leos neuer Mann in Berlin

Veröffentlicht am 09.04.2026 um 12:30 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Berlin/Vatikanstadt ‐ Der Niederländer Hubertus van Megen wird neuer Apostolischer Nuntius in Deutschland. Nach Jahren in Afrika trifft er auf eine krisengeprägte Kirche – und heikle Reformdebatten zwischen Rom und der deutschen Ortskirche.

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Als Erzbischof Nikola Eterovic im Januar 75 Jahre alt wurde, nahmen die in kirchlichen Kreisen bereits länger wabernden Spekulationen über den weiteren Verbleib des Kroaten als Apostolischer Nuntius in Berlin endgültig Fahrt auf. Schließlich hatte Eterovic mit seinem Geburtstag die vom Kirchenrecht vorgesehene Altersgrenze für katholische Bischöfe erreicht, sein Abgang als Botschafter war ab diesem Tag nur noch eine Frage der Zeit.

An diesem Donnerstag nun hat Papst Leo XIV. Eterovics Amtszeit in Deutschland tatsächlich beendet – und gleichzeitig seinen Nachfolger als Nuntius benannt: den niederländischen Erzbischof Hubertus van Megen. Während Eterovic bei seinem Amtsantritt in Berlin im September 2013 als ehemaliger päpstlicher Gesandter in der politisch wie ökumenisch heiklen Ukraine und langjähriger Generalsekretär der Weltbischofssynode als einer der erfahrensten Diplomaten der Kurie galt und mindestens kirchenintern über einen großen Bekanntheitsgrad verfügte, ist van Megen bislang wohl nur absoluten Insidern ein Begriff.

Geboren an der deutsch-niederländischen Grenze

Geboren wurde Hubertus Matheus Maria van Megen – so sein vollständiger Name – am 4. Oktober 1961 in Eygelshoven, einem kleinen Dorf unmittelbar an der deutsch-niederländischen Grenze und nur einen Steinwurf vom nordrhein-westfälischen Herzogenrath entfernt. Am 13. Juni 1987 empfing er die Priesterweihe für das Bistum Roermond. Früh wechselte van Megen danach in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls. Stationen seiner Laufbahn waren dort in den ersten Jahren unter anderem Somalia, Brasilien, Israel und die Slowakei sowie die Vertretung des Vatikans bei den Vereinten Nationen in Genf.

Bild: ©picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr (Archivbild)

Erzbischof Nikola Eterovic war fast 13 Jahre Nuntius in Deutschland. Nun hat Papst Leo XIV. sein altersbedingtes Rücktrittsgesuch angenommen.

Anfang 2014 ernannte Papst Franziskus (2013–2025) van Megen zum Apostolischen Nuntius im Sudan und zum Titularerzbischof von Novaliciana. Die Bischofsweihe empfing er wenige Wochen später durch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Kurz darauf übernahm van Megen in Personalunion auch die Aufgabe als Nuntius in Eritrea. 2019 folgte der Wechsel als Nuntius nach Kenia und in den Südsudan sowie die Aufgabe als Ständiger Beobachter beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen und beim Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Nach zwölf Jahren als Nuntius in Afrika dürfte der nun anstehende Wechsel nach Europa und konkret nach Deutschland für van Megen trotz seiner niederländischen Herkunft eine Art Kulturschock sein. Von einem Kontinent, auf dem die katholische Kirche seit vielen Jahren stark wächst und prosperiert, kommt er in ein Land, in dem die Kirche gerade in der jüngsten Zeit mit hohen Austrittszahlen und einer enormen Vertrauenskrise zu kämpfen hatte.

Kritischer Blick auf die europäische Gesellschaft

Dass van Megen diesen Kontrast zwischen einer wachsenden, jungen, gesellschaftlich präsenten Kirche in Afrika und einer zunehmend verunsicherten, alternden Kirche in Europa wahrnimmt und sein Blick auf die europäische Gesellschaft dabei eher kritisch ist, zeigen Aussagen von ihm aus der jüngeren Zeit. Bei einer Bischofsweihe in Kenia sagte er 2024: "Die Lehren der westlichen Gesellschaft über Abtreibung, Euthanasie und Gender-Theorie sind klare Symptome einer Gesellschaft, die ihren inneren Kompass verloren hat und hilflos auf dem stürmischen Meer der menschlichen Wünsche treibt, geschüttelt und in jeder Hinsicht geschwächt." Es sei offensichtlich, dass die säkulare Gesellschaft des Westens ihre Kraft verloren habe und immer mehr mit sich selbst beschäftigt sei. Zugleich machte sich van Megen eine Aussage des Erzbischofs von Kinshasa, Kardinal Fridolin Ambongo, zu eigen, der die Kirche in Europa wenige Monate zuvor als "geschwächt" bezeichnet hatte.

Bild: ©KNA/Jannis Chavakis (Archivbild)

Die Apostolische Nuntiatur in Berlin bekommt mit Erzbischof Hubertus van Megen nach fast 13 Jahren einen neuen Hausherren.

Auf seinem neuen Posten in Berlin wird van Megen von seinem Vorgänger Eterovic mit der geplanten Synodalkonferenz eine heikle kirchenpolitische "Baustelle" erben. Mit dem neuen Gremium will die Kirche in Deutschland ab Herbst institutionell Neuland betreten – vorausgesetzt, der Vatikan gibt dafür mit der noch ausstehenden "Recognitio" grünes Licht. In dem auf Dauer angelegten synodalen Gremium sollen Bischöfe und Laien künftig Stellung zu wesentlichen Entwicklungen in Staat, Gesellschaft und Kirche nehmen sowie gemeinsame Beschlüsse zu Fragen von bundesweiter Bedeutung fassen. Außerdem soll das Gremium ein Mitspracherecht bei Finanz- und Haushaltsangelegenheiten erhalten, "die nicht auf diözesaner Ebene entschieden werden".

Wie konfliktreich das Vorhaben ist, zeigte sich schon beim Vorläufer der Synodalkonferenz, dem Synodalen Weg. Der 2019 als Konsequenz aus dem Missbrauchsskandal gestartete Reformprozess wurde zur nachhaltigen Belastungsprobe für das Verhältnis von römischer Kurie und deutscher Ortskirche. Mit den auf dem Synodalen Weg beschlossenen Reformforderungen eckte die Kirche in Deutschland immer wieder im Vatikan an; das Verhältnis zwischen römischer Zentrale und deutscher "Filiale" trübte sich durch den Prozess stark ein. Mehrfach kamen aus dem Vatikan teils überdeutlich formulierte Mahnungen, es mit Forderungen wie einer Weihe von Frauen oder mehr Mitbestimmung durch Laien in der Kirche nicht zu übertreiben.

Feines Gespür für kirchliche Dynamiken gefragt

Ähnliche Konflikte könnten auch bei der geplanten Synodalkonferenz drohen. Van Megen wird hier zwischen Rom und der Kirche in Deutschland vermitteln müssen, ohne bestehende Gräben, die zuletzt leicht zugeschüttet werden konnten, neu zu vertiefen. Er wird als Nuntius ein feines Gespür für kirchliche Dynamiken, für Machtfragen und für die Grenzen synodaler Prozesse aus Sicht des Heiligen Stuhls brauchen.

„Aber am Ende geht es dann doch um diesen Gehorsam an Petrus, und das ist meine erste Verantwortung.“

—  Zitat: Erzbischof Hubertus van Megen

Dass Spannungsfeld, in dem sich Apostolische Nuntien als Vertreter des Papstes und seiner Positionen einerseits und Vermittler zwischen Rom und der Ortskirche andererseits mitunter bewegen, hat van Megen kürzlich selbst beschrieben – in bemerkenswerter Offenheit: "Dass es dann auch eine Spannung gibt zwischen dem, was der Papst sagt und was in einer Lokalkirche geschieht, ist manchmal auch schwierig", sagte der Erzbischof im vergangenen Sommer in einem Interview mit "Vatican News". Und weiter: "Aber dazu ist man dann auch Diplomat, um da zwischendurch zu manövrieren und ein Brückenbauer zu sein zwischen diesen zwei Realitäten – der Realität des Vatikans und der Universalkirche und der Realität der lokalen Kirche."

Wie sehr van Megen sich tatsächlich als Brückenbauer zwischen der Kirche in Deutschland und der römischen Kurie versteht, wird sich allerdings noch zeigen müssen. Zum Abschluss seiner Aussagen im Interview mit "Vatican News" betonte er nämlich: "Aber am Ende geht es dann doch um diesen Gehorsam an Petrus, und das ist meine erste Verantwortung." Dies deutet eher darauf hin, dass er seine Rolle wie sein Vorgänger Eterovic interpretieren könnte.

Welchen Ton wird der neue Nuntius anschlagen?

Der Kroate verstand sich in Berlin von Anfang an als nicht als Moderator zwischen unterschiedlichen kirchlichen Lagern, sondern als Vertreter und Übermittler römischer Positionen. Vor allem den Bischöfen redete er ein ums andere Mal ins Gewissen, seine Grußworte zu Beginn der Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz erinnerten meist eher an Referate über lehramtliche Positionen. Mit Blick auf die deutschen Reformforderungen verwies Eterovic immer wieder auf die geltende Glaubenslehre, das Kirchenrecht und die Autorität des Papstes. Dabei wiederholte er seine Argumente ebenso beharrlich wie kompromisslos – ein Stil, der mit der Zeit bei Teilen des Episkopats für deutlichen Verdruss sorgte und manches Zerwürfnis provozierte.

Eterovics Abgang als Apostolischer Nuntius ist vor diesem Hintergrund auch eine Chance zu einem Neuanfang. Es bleibt abzuwarten, welchen Ton van Megen, der ausgezeichnet Deutsch spricht, künftig gegenüber den Bischöfen und der Kirche in Deutschland anschlagen wird.

Von Steffen Zimmermann