John Prevost: Papst Leo hat regelmäßig Kontakt zu seinen Brüdern
Papst Leo XIV. steht in regelmäßigem Kontakt mit seinen beiden Brüdern John (Foto) und Louis Prevost. "Wir sprechen uns täglich", so John Prevost über sein persönliches Verhältnis zu Leo XIV. in einem am Montag im Internet veröffentlichten Interview der französischen Zeitung "La Croix".
Über Entscheidungen oder die Politik des Papstes sprächen beide jedoch eher nicht, fügte Prevost hinzu. "Wahrscheinlich, weil ich nicht alle diese Leute kenne. Und wenn wir telefonieren, ist es bei ihm meist schon gegen 22.30 Uhr, da macht es keinen Sinn, vor dem Schlafengehen in so schwere Themen einzutauchen." Stattdessen spielten sie weiterhin Words with friends und Wordle, zwei Online-Buchstabenspiele.
Schwer falle ihm jedoch immer noch zu akzeptieren, dass sein Bruder, mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost, mit seiner Wahl zum Papst nicht mehr in den Kreis der Familie und seine Heimat zurückkehren könne, so Prevost. "Ich habe mir ein neues Auto gekauft, habe es Rob erzählt, und er meinte, er werde es nie fahren können – dabei ist das eine seiner Lieblingsbeschäftigungen", sagte Prevost. Er habe gespürt, wie sehr dieser Umstand auf dem Papst laste.
Einmal in der Woche Gespräche mit Louis
Mit Louis, dem dritten Bruder, der US-Präsident Donald Trump unterstützt, redeten er und der Papst einmal in der Woche, so John Prevost weiter. "Louis äußert sich mittlerweile zurückhaltender zu seinen politischen Ansichten", sagte Prevost.
Man gehe bei den Gesprächen untereinander zurückhaltend mit politischen Themen um. "Es hat derzeit keinen Sinn, sich über solche Dinge zu streiten. Wir wissen, dass niemand die Meinung eines anderen ändern kann, also bringt es nichts, sich zu streiten." Auf Englisch fügte Prevost hinzu: "We all know where we stand" – "Wir alle wissen, wo wir stehen".
Louis Prevost (links) ist der andere Bruder von Papst Leo XIV.
Seine öffentlichen Einlassungen überlege sich Leo XIV. sehr genau. Er habe ihn deswegen immer aufgezogen, bekannte John Prevost. "Ich sagte zu ihm: Wenn ich dir eine Frage stelle, weiß ich, dass ich das Abendessen vorbereiten und wieder zurückkommen kann – du wirst immer noch dabei sein, deine Antwort zu formulieren!"
Das Ganze habe sich zu einem Running Gag zwischen den Brüdern entwickelt. "Aber es stimmt, dass er äußerst bedacht in seinen Äußerungen und sehr diplomatisch ist. Und als Papst sagt er, was er empfindet oder was gesagt werden muss, ohne jedoch mit dem Finger auf jemanden zu zeigen."
Klare Position bei Palmsonntagspredigt
Als Beispiel verwies Prevost auf die Predigt von Leo XIV. am Palmsonntag. Dabei hatte der Papst betont, dass Gott den Krieg ablehne und nicht das Gebet derer erhöre, die Krieg führen, denn ihre Hände seien voller Blut. Ohne dass Leo XIV. einen Namen nannte, habe die Welt verstanden, von wem sein Bruder spreche, sagte Prevost.
Er habe seinen Bruder auf diesen Satz angesprochen, so Prevost. "Er sagte zu mir: 'Man kann Jesus nicht bitten, anderen Menschen zu schaden.' Und er fügte hinzu: 'Das habe ich mir nicht ausgedacht, das steht in der Bibel!'"
Das Interview wurde vor den jüngsten verbalen Attacken von US-Präsident Donald Trump auf Leo XIV. geführt. Trump hatte Sonntagnacht auf seiner eigenen Plattform geschrieben, Leo XIV. sei "SCHWACH im Umgang mit Kriminalität und eine Katastrophe in der Außenpolitik". Auf dem Weg nach Algerien, zur ersten Station seiner Afrikareise, sagte der Papst: "Ich fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums." (mal/KNA)
13.4., 14:15 Uhr: Ergänzt um weitere Aussagen aus dem Interview.
