Er hatte sich nicht darauf beworben

Dogmatiker Seewald: Neuer Lehrstuhl in München "äußerst reizvoll"

Veröffentlicht am 16.04.2026 um 10:48 Uhr – Lesedauer: 

München ‐ Zuletzt lehrte der Leibniz-Preisträger Michael Seewald in Münster – nun wechselte er an die Ludwig-Maximilians-Universität nach München und bringt ein besonderes Projekt mit. In einem Interview erklärte er seine Pläne.

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Dogmatiker Michael Seewald (38) freut sich auf seine Rückkehr nach München. Die Ludwig-Maximilians-Universität München hatte ihm einen Lehrstuhl angeboten, auf den er sich nicht beworben hatte, erzählte Seewald dem Studienbüro der Katholisch-Theologischen Fakultät am Mittwoch. Eine Rückkehr nach München bezeichnete er als "eine äußerst reizvolle Sache".

Nach München bringt Seewald mehrere Projekte mit, darunter die Neuausgabe des "Denzinger". Das Kompendium sammelt seit 1854 die wichtigsten lehramtlichen Texte der katholischen Kirche. Mit Mitteln aus dem "Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis", den er im vergangenen Jahr für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt, will er mit seinem Team eine neue kritische Ausgabe erarbeiten. Die Herausgeberschaft übernahm Seewald 2025 von dem inzwischen verstorbenen Peter Hünermann. Zudem stehe auf dem Plan, über die Lehrentwicklung in der katholischen Kirche sowie Normbildung und Kanonizität nachzudenken.

Rolle der Dogmatik

Zur Rolle der Dogmatik im Diskurs mit Politik, Öffentlichkeit und anderen Religionen sagte Seewald, sie sei als akademische Disziplin unerlässlich, um Religionen verstehen zu können. Die christliche Dogmatik betrachte die Inhalte des Glaubens in ihrem systematischen Zusammenhang und lege gegenüber der Öffentlichkeit Rechenschaft über normative Erwartungen der katholischen Kirche ab. Zugleich sei sie auf das Gespräch mit anderen Disziplinen angewiesen. Für seine Arbeit hob Seewald eine bestimmte Haltung hervor: "Die Theologie nimmt sich die Freiheit, eine reflexive Distanz zur Welt und zur Kirche zu wahren, um beide besser verstehen und umso beherzter gestalten zu können."

Seewald wurde 2011 an der LMU promoviert und 2015 habilitiert. Von 2017 bis 2026 lehrte er Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Münster. Er ist katholischer Priester des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Im vergangenen Jahr erhielt er für seine wissenschaftliche Arbeit den Leibniz-Preis. (KNA)