Mehrere tausend Menschen beim "Marsch fürs Leben" in München
Beim "Marsch fürs Leben" in München sind am Samstagnachmittag mehrere tausend Menschen aus ganz Süddeutschland gegen Abtreibung und Sterbehilfe auf die Straße gegangen. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl in einer vorläufigen Schätzung auf 2.500. Der Organisator hatte 6.000 Personen angemeldet. Bunte Luftballons und Blasmusik sollten für eine heitere Atmosphäre sorgen. Der Marsch fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Polizei war auch mit einer Reiterstaffel im Einsatz, um Störversuche zu unterbinden.
"Leben schützen laut und klar, jeder Mensch ist wunderbar", lautete einer der eingeübten Rufe beim Marsch. Die Gegendemonstranten, überwiegend junge Leute, skandierten unter anderem "My body, my choice, raise your voice", zu Deutsch "Mein Körper, meine Entscheidung, erhebt eure Stimme". Vereinzelt kam es zwischen beiden Lagern auch zu Gesprächen über die Absperrungen hinweg.
Hauptredner beim "Marsch fürs Leben" war Mathias von Gersdorff, Vorsitzender der "Deutschen Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum". Der Politaktivist sagte, in Deutschland breite sich eine "Kultur des Todes" rasant aus. Dies zeige sich auch bei den Menschen, "die hier rumbrüllen und gegen das ungeborene Leben agitieren". Wie weit fortgeschritten die "Kultur des Todes" in Deutschland sei, zeige sich auch in Plänen der Bundesregierung, das Ehegattensplitting abzuschaffen. Angesichts der demografischen Krise müsste sich die Politik um mehr Geburten bemühen. Stattdessen banalisiere sie das Töten von Kindern, indem sie sich für flächendeckende Abtreibungsmöglichkeiten einsetze. Das sei "suizidal", sagte Gersdorff.
Kritik aus Afrika an Europa
Obianuju Ekeocha, aus Nigeria stammende Biomedizinerin, prangerte europäische Versuche an, die Abtreibung nach Afrika zu exportieren. Dazu werde auch deutsches Steuergeld in der staatlichen Entwicklungshilfe eingesetzt.
Zur Kundgebung auf dem Königsplatz begrüßte der russisch-orthodoxe Bischof Hiob Bandmann aus Stuttgart die Teilnehmer. Der Regensburger Weihbischof Josef Graf spendete den Schluss-Segen. Dabei bekannte er: "Ich war heute in München das erste Mal dabei, es soll aber nicht das letzte Mal gewesen sein." Den Mitmarschierenden bescheinigte er Tapferkeit. Sie nähmen bei ihrem "Zeugnis für das Leben" in Kauf, dass sie "unter der Gürtellinie" angegangen würden. Damit meinte Graf Parolen wie "Hätt' Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben."
Grußworte kamen dieses Mal vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, Bischof Stefan Oster aus Passau und dem scheidenden deutschen Papstbotschafter Nikola Eterovic. Von US-Bischof Robert Barron wurde eine Videobotschaft per Leinwand abgespielt. Barron ermunterte die Marschierenden, nicht nachzulassen und sich weiter gegen eine Liberalisierung der Abtreibung in Deutschland zu stemmen. (KNA)
