Verfahren überraschend eingestellt

Von John F. Kennedy aus der UdSSR befreiter Jesuit wird nicht selig

Veröffentlicht am 20.04.2026 um 09:53 Uhr – Lesedauer: 

Allentown ‐ Über 20 Jahre war Pater Walter Ciszek in sowjetischer Gefangenschaft. Unter schlimmen Bedingungen spendete er Mitgefangenen Trost und Sakramente – ein Vorbild für viele. Doch aus der Seligsprechung wird nun nichts.

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Der Jesuit, den John F. Kennedy aus jahrzehntelanger Sowjet-Gefangenschaft befreit hat, wird nicht seliggesprochen. Die Diözese Allentown teilte mit, dass das Dikasterium für die Heiligsprechungen nach langer Prüfung das Verfahren von Pater Walter Ciszek (1904–1984) beendet hat. Gründe nannte die Diözese nicht. Die Entscheidung zeige, dass die Kirche jeden einzelnen Fall sorgfältig und unter Einhaltung ihrer Normen prüfe. "Auch wenn diese Nachricht bei den vielen, die sich vom Beispiel des heldenhaften Glaubens von Pater Ciszek inspirieren ließen, verständlicherweise Enttäuschung hervorrufen mag, schmälert sie doch nicht den bleibenden spirituellen Wert seines Lebens, seines Zeugnisses und seines Vermächtnisses", heißt es in der Stellungnahme.

Ciszek wurde im US-Bundesstaat Pennsylvania als Kind polnischer Einwanderer geboren und gehörte der Russischen Griechisch-katholischen Kirche an. 1928 trat er ins Noviziat des Jesuitenordens ein und meldete sich auf einen Aufruf von Papst Pius XI. (1922–1939) als Freiwilliger für die Mission in Russland. Nach einem Studium am Päpstlichen Russischen Kolleg in Rom ging er 1938, ein Jahr nach seiner Priesterweihe, zunächst nach Polen. Während des Zweiten Weltkriegs ging er unter falschem Namen in die Sowjetunion, um als Untergrundpriester zu wirken. 1941 wurde er verhaftet und zunächst ins Geheimdienstgefängnis Lubyanka in Moskau gebracht. 1942 wurde er unter Folter zu einem Geständnis gezwungen und zu 15 Jahren Gulag-Haft verurteilt. An den verschiedenen Stationen seiner Gefangenschaft hielt er daran fest, Mitgefangenen die Sakramente zu spenden.

Überraschende Befreiung

Erst 1955 konnte er erstmals einen Brief an Verwandte schreiben, bis dahin hielt man ihn in den USA und in seinem Orden für tot. Nach seiner Haftentlassung wirkte er an verschiedenen Orten in Russland weiterhin als Seelsorger. Nach fast 23 Jahren in Haft konnte Ciszek im Rahmen eines Gefangenenaustauschs 1963 in die USA zurückkehren. Die US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy hatten sich seit seinem ersten Lebenszeichen für seine Rückkehr eingesetzt. In den USA lehrte Ciszek am Johannes-XXIII.-Zentrum der Jesuiten-Universität Fordham. 1984 starb er.

Bereits ein Jahr nach seinem Tod setzte sich eine Karmelitin aus einem Kloster, zu dessen Gründung Ciszek beigetragen hatte, für seine Seligsprechung ein. Das Seligsprechungsverfahren wurde 2012 offiziell in der Diözese Allentown eröffnet. Das Bistum zeigte sich dankbar für die Unterstützung des Verfahrens durch Gebete und Spenden. "Pater Ciszeks Mut, seine Beharrlichkeit und sein unerschütterliches Vertrauen in Gott inmitten außerordentlicher Leiden haben viele Seelen zu Gott geführt und werden auch weiterhin unzählige Leben berühren", so die Stellungnahme weiter. Auch wenn das formelle Seligsprechungsverfahren eingestellt wurde, bleibe die Gnade, die von seinem Zeugnis ausgehe, in den Herzen der Gläubigen lebendig.

Eine offizielle Mitteilung des Vatikans zu dem Verfahren und zu den Gründen der Einstellung steht noch aus. Mitte April wurde bekannt, dass das Heiligsprechungsdikasterium den Seligsprechungsprozess für den deutschstämmigen Bischof Jorge Novak (1928–2001) gestoppt hat. Anders als bei Ciszek ist der Grund in diesem Fall bekannt; Novak soll einen Fall von Fehlverhalten eines Priesters möglicherweise falsch behandelt haben. (fxn)