Theologe Sautermeister sucht Ausweg aus Theologie-Nachwuchskrise
Der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister sieht die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn angesichts stark sinkender Studierendenzahlen in einer schwierigen Lage. Grund dafür sei die gesamte Mitgliederentwicklung der Kirche. So ging die Zahl der Kirchenmitglieder im Erzbistum Köln von 2010 bis 2025 um knapp ein Viertel zurück, die der Taufen zwischen 2000 und 2010 um 17 Prozent, die der Firmungen zwischen 2010 und 2024 sogar um 43 Prozent. "Das sind die Jahrgänge, aus denen die meisten gegenwärtigen Studierenden kommen", sagte Sautermeister am Montag dem Bonner "General-Anzeiger".
Um die Rückgänge abzufedern, wolle sich die Fakultät stärker für internationale Studierende und Lehrende öffnen, erklärte der Dekan. In einem ersten Versuch habe man im Wintersemester ein Angebot für Menschen mit theologischem Interesse geschaffen, die nicht zwingend im kirchlichen Dienst arbeiten wollten. Der Start mit 16 eingeschriebenen Studierenden sei geglückt. Ein weiteres englischsprachiges Masterprogramm sei geplant. Für das kommende Wintersemester kündigte Sautermeister zudem einen Weiterbildungs-Master an, der sich mit dem Thema sexualisierte Gewalt und Missbrauch befasst.
Bildung von Kompetenzzentren
Mit Blick auf mögliche Diskussionen in Nordrhein-Westfalen verwies Sautermeister auf derzeit drei katholisch-theologische Fakultäten in Nordrhein-Westfalen – in Bochum, Bonn und Münster. Hinzu kämen Standorte der katholischen Lehramtsausbildung in Aachen, Köln, Duisburg-Essen, Paderborn und Siegen. "Ich halte viel davon, Kompetenzzentren mit theologischen Fakultäten zu bilden", sagte er. Bonn sei mit zwei theologischen Fakultäten und der Einbindung in ein Exzellenzcluster gut aufgestellt.
Strikt wandte sich Sautermeister dagegen, die Priesterausbildung allein der Kirche zu überlassen. "Aus gutem Grund strebt der Staat danach, die Ausbildung islamischer Geistlicher und Religionslehrer an staatlichen Hochschulen zu organisieren", sagte er. "Theologie als Wissenschaft dient auch der Selbstaufklärung von Religion. Wir sollten als Gesellschaft Religion als politischen Faktor nicht sich selbst überlassen." (KNA)
