Timmerevers: Kirchen sollen Europa Maß, Erinnerung und Hoffnung geben
Bischof Heinrich Timmerevers hat die Kirchen mit in die Pflicht genommen, Europa widerstandsfähiger zu machen. Europa stehe unter Druck – von außen und von innen, sagte der Bischof von Dresden-Meißen in Brüssel. Resilienz entstehe nicht nur durch Härte, sondern beispielsweise durch starke Regionen, Vertrauen sowie "Kirchen und Religionsgemeinschaften, die daran erinnern, dass der Mensch mehr ist als Konsument, Wähler, Arbeitskraft oder Datensatz".
"Das Haus Europa stiftet Frieden, wenn es nicht nur Markt ist, sondern eine Wertegemeinschaft", so Timmerevers. Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenschutz seien die tragenden Wände dieses Hauses. "Wenn diese Wände brüchig werden, wird Europa nicht nur politisch schwächer, dann verliert Europa seine Seele."
Was Christen beitragen können
Aufgabe der Christen für Europa heute sei es nicht, Besitzstand zu verwalten, sondern Beziehung zu stiften, so der Bischof. "Nicht lauter zu sein als andere, sondern tiefer zu fragen. Nicht einfache Antworten zu verkaufen, sondern Räume zu öffnen, in denen Wahrheit, Freiheit und Verantwortung miteinander gesucht werden."
Die sächsische Justizministerin Constanze Geiert (CDU) betonte, die Kirchen könnten in der aktuellen Zeit der Transformation einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie den Menschen Stabilität geben. Angesichts vielfältiger Veränderungsprozesse gebe es Ängste in der Gesellschaft. "Kirchen haben Werte und Leitplanken, die Halt geben und dafür sorgen können, dass Menschen sich nicht verloren fühlen", so die Katholikin.
Miteinander von Staat und Kirche
Timmerevers und Geiert äußerten sich am Mittwochabend bei einer Veranstaltung im Rahmen einer Reise von sächsischen Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche, der Zivilgesellschaft sowie der Landesregierung nach Brüssel. Anlass der ökumenischen Reise war das 30. Jubiläum des Konkordats zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Vatikan sowie das Gedenken an den evangelischen Staatskirchenvertrag.
Diese Verträge seien mehr als juristische Texte, so Timmerevers. "Sie sind Zeugnisse eines geregelten, freundschaftlichen und freiheitlichen Miteinanders von Kirche und Staat." Gerade in Ostdeutschland sei dies nach Diktatur, Unfreiheit und dem Versuch, Religion aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, keine Selbstverständlichkeit. Die öffentliche Sichtbarkeit von Religionen und die Mitwirkung der Kirchen in Erziehung, Beratung, Fürsorge und Seelsorge seien nicht als Privileg zu sehen, sondern als Beitrag zum Gemeinwohl, so der Bischof. (KNA)
