"Niemand ist in dieser Kirche ein Gast"

Bischof fordert vollständige Integration von LGBTQ-Katholiken

Veröffentlicht am 20.05.2026 um 11:05 Uhr – Lesedauer: 

Albano ‐ Die Debatte über den Umgang der Kirche mit LGBTQ-Personen bleibt in Bewegung. Bei einer Gebetswache gegen Homophobie forderte der Bischof von Albano volle Anerkennung queerer Katholiken als Teil der Kirche.

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Kein "Willkommen heißen", sondern Anerkennung: Der Bischof von Albano in Italien, Vincenzo Viva, hat die vollständige Integration von LGBTQ-Katholiken in die Kirche gefordert. "Willkommen heißen setzt voraus, dass jemand von außen kommt und aus der Großzügigkeit anderer aufgenommen wird. Doch als Getaufte ist niemand in dieser Kirche ein Gast", erklärte Viva. Zugleich sprach er von anhaltenden Ängsten und Vorurteilen gegenüber dem Thema.

Die Ansprache erfolgte im Rahmen einer diözesanen Gebetswache, organisiert von der italienischen LGBTQ-Katholikeninitiative La Tenda di Gionata. In seinem Auftaktimpuls beklagte Viva fortdauernde Ausgrenzung und geschlechtsspezifische Gewalt. "Es gibt noch immer viel zu viele, die nicht den Menschen sehen, sondern eine Abweichung, einen 'Schöpfungsfehler', eine Bedrohung, ein Problem", sagte der Bischof.

Bischof mit Frankfurter Wurzeln

Zugleich äußerte Viva die Hoffnung, dass solche Gebetswachen eines Tages nicht mehr notwendig sein werden. Er wünsche sich "von ganzem Herzen", dass dies idealerweise die letzte Gebetswache zur Überwindung der Homophobie gewesen sei. Nicht, weil sie jemanden in Verlegenheit bringe oder Missverständnisse hervorrufe, sondern weil der Tag, an dem solche Mahnwachen nicht mehr nötig seien, jener sein werde, "an dem jeder Mensch als lebendiger, ursprünglicher, unersetzlicher Teil des Leibes Christi anerkannt wird, ohne sich verstellen oder verstecken zu müssen".

Viva, ein römischer Bischof mit Frankfurter Wurzeln, wurde 2021 von Papst Franziskus zum Bischof von Albano ernannt. Die im 4. Jahrhundert gegründete Diözese gehört zu den suburbikarischen Bistümern rund um Rom. Deren Titel tragen weiterhin Kardinäle, während die pastorale Leitung seit 1962 jeweils einem Diözesanbischof übertragen wird. Dieses Amt bekleidet in Albano heute der Deutsch-Italiener Viva. Im Januar 2024 war er Hauptzelebrant und Prediger beim traditionsreichen Karlsamt im Frankfurter Dom. (mtr)