Keine Massenbewegung, aber...

Erzbischof Gössl: Neues Interesse an katholischer Kirche

Veröffentlicht am 22.05.2026 um 15:10 Uhr – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Schrumpfende Gemeinden und knappe Finanzen verändern die Kirche grundlegend. Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl berichtet dennoch von Interesse an Glaubensfragen und der Taufe in der größten Stadt seiner Diözese.

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Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl beobachtet ein wachsendes Interesse an der katholischen Kirche. In einem Interview mit dem Fernsehsender "K-TV" sagte er, insbesondere in Nürnberg, der größten Stadt seiner Diözese, nehme die Nachfrage nach Glaubensfragen spürbar zu – auch wenn von einer Massenbewegung keine Rede sein könne. Es handle sich weiterhin um einzelne Personen, "aber sehr viel mehr, als es in den vergangenen Jahren üblich war", erklärte Gössl. Dabei gehe es sowohl um Taufanfragen als auch um spezifische Themen des katholischen Glaubens.

Mit Blick auf den Priestermangel verwies der Erzbischof auf Umstrukturierungen in seiner Erzdiözese. Priester sollten stärker von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, damit mehr Zeit für die Seelsorge bleibe. Zugleich müsse sich auch die Pastoral an die veränderten Bedingungen anpassen. Dazu gehöre, dass Gläubige sich auf den Weg machen und "lebendige Gottesdienstgemeinden" bilden.

Kirche muss loslassen

Kritisch äußerte sich Gössl über die "Vereinzelung" von Gottesdienstorten. Manche Geistliche berichteten ihm von Eucharistiefeiern mit nur noch 15 Teilnehmern. Unter solchen Bedingungen entstehe "keine Feieratmosphäre, weil die Dienste nicht da sind", sagte der Erzbischof. Solche Situationen seien mitunter eine "wöchentliche Bestätigung eines Sterbeprozesses". Deshalb brauche es mehr Bewegung aufeinander zu. Mit pastoralen Orientierungen wolle man in den Gemeinden diesbezüglich ein neues Bewusstsein schaffen.

Die notwendigen Veränderungen könnten schmerzhaft sein, räumte Gössl ein. Die Kirche müsse sich von manchem trennen – von Besitz, Gebäuden und auch Gottesdienstorten. Angesichts sinkender Finanzen, rückläufiger Zuschüsse und abnehmender Gemeindemitglieder könne das Loslassen zugleich ein Akt der Befreiung sein. Der Gebäudebestand müsse an das tatsächliche kirchliche Leben angepasst werden. "Und das heißt dann eben auch – Abschied nehmen", sagte der Erzbischof. Gerade bei Kirchengebäuden sei dies ein schmerzhafter Prozess. (mtr)