Perfektes Grillwetter an Pfingsten

Theologe: Billigfleisch gehört nicht auf den Grill

Veröffentlicht am 23.05.2026 um 08:20 Uhr – Lesedauer: 

Münster ‐ Zu Pfingsten wird perfektes Grillwetter erwartet. Zu diesem Anlass ruft der Theologe Rainer Hagencord zum Verzicht auf Billigfleisch auf. Industrielle Tierhaltung sei "eines der größten Verbrechen der Menschheit".

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Zu Beginn der Grillsaison hat der katholische Theologe und Biologe Rainer Hagencord an die Verbraucher appelliert, die Hände von Billigfleisch zu lassen. "Am besten wäre natürlich eine vegetarische Lebenskultur. Was aber zumindest jetzt ansteht, ist: nur noch Fleisch zu kaufen aus kleinbäuerlichen und mittelständischen Betrieben", sagte Hagencord der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Das würde ja auch beitragen zur Artenvielfalt und zum Klimaschutz."

"Mit dem SUV zum Discounter ..."

Der Leiter des Institutes für Theologische Zoologie in Münster ermunterte die Menschen: "Wir haben jetzt die Chance, in diesem kommenden Sommer alles dafür zu tun, dass Artenvielfalt erhalten bleibt und dass wir die Würde der Tiere würdigen." Leider würden viele Menschen aber nicht so handeln. Im Gegenteil: "Mir kommt so eine Karikatur in den Sinn, in der passend zu den massiven Grillapparaten, die auf dem Balkon oder der Terrasse stehen, der SUV vor der Tür parkt. Und damit fährt man dann am besten zu den Discountern dieser Welt, um das billigste Schweinerückensteak und die billigsten Putenschnitzel zu kaufen", sagte Hagencord.

Egal, welches Fleisch man esse, immer gelte: "Es handelt sich bei allen Säugetieren und auch bei allen Vögeln um empfindungsfähige, sozial kompetente Persönlichkeiten. Das wissen wir inzwischen. Und dann zeigt sich ja noch mal die ganze Pathologie des Systems: dass wir zu Hause mit unserem Wellensittich oder eben auch unserem Hund oder unserer Katze erleben, dass sie uns so nah sind, dass sie Beziehungen eingehen, dass sie uns guttun. Das gilt ja eben auch für Puten, Hühner, Schweine und Rinder. Aber wir haben eben diese Art Geisteskrankheit, dass wir nur noch zwei Kategorien von Tieren haben: die einen verwöhnen wir mit Haustierfutter – und die anderen werden dazu verarbeitet."

Industrielle Tierhaltung "eines der größten Verbrechen"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, hatte kürzlich dazu aufgerufen, dass die Menschen angesichts der Umweltschäden den "Schrei der Erde" hören sollten. Hagencord: "Und dann habe ich mir vorgestellt, was denn wohl passieren würde, wenn die Milliarden von Nutztieren, die wir jährlich züchten, um sie nur in die Tierfabriken zu schicken und danach in die monströsen Schlachthöfe, wenn die alle schreien würden. Wir könnten nur noch mit Kopfhörern durch die Welt laufen." Das Leid sei unfassbar.

"Wir reden ja jetzt hier nicht davon, dass wir mal ein Tier schlachten, um es dann mit Ehrfurcht und Respekt zu essen. Es handelt sich ja um ein System der strukturellen Sünde", sagte der Theologe. "Die industrielle Tierhaltung ist eines der größten Verbrechen der Menschheit." (KNA)