Bischof Wilmer zu Pfingsten: Vielfalt ist Gabe, nicht Problem
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, wirbt für Offenheit in der Gesellschaft und im Dialog. Spannungen und Widersprüche entstünden dort, "wo wir aufhören, einander zuzuhören", sagte Wilmer am Sonntag laut Manuskript in seiner Pfingstpredigt im Hildesheimer Dom. "Eine Kirche, die nur eine Stimme duldet, verliert ihre Weite. Eine Gesellschaft, die Vielfalt fürchtet, verliert ihre Zukunft."
Wilmer zog eine Parallele zum Pfingstfest. An Pfingsten feiern Christen die Erfüllung der Jünger Christi mit dem Heiligen Geist. Auch dieser habe Vielfalt hervorgebracht, "nicht als Problem, sondern als Gabe", so der Bischof. "Er schafft Einheit – nicht durch Druck, sondern durch Beziehung. Und das gilt nicht nur für die Kirche. Es gilt für unsere Welt."
Pfingsten ist "ein Wunder der Verständigung"
Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit seien in der Welt verbreitet und beträfen die gesamte Menschheit, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Frieden sei keine regionale Angelegenheit. Wenn ein Teil der Welt leide, litten die anderen mit. "Es ist eine Wahrheit über die Menschheit", mahnte Wilmer: "Weder Deutschland noch Europa dürfen und können sich alleine retten. Wir sind keine Inseln. Wir sind ein Leib."
Vor diesem Hintergrund sei Pfingsten "ein Wunder der Verständigung", das bei den Menschen beginne, betonte der Bischof: "Wenn wir lernen zu hören. Wenn wir aushalten, dass der andere anders ist. Wenn wir nicht sofort urteilen, sondern unterscheiden. Wenn wir den Mut haben, Spannung nicht zu zerstören, sondern zu tragen." Für Wilmer ist es das letzte Pfingsten in Hildesheim. Er wechselt am 21. Juni als Bischof nach Münster. (KNA)
