Theologe Sautermeister: Auch Kirche würde ohne Macht nicht existieren
Macht ist laut Jochen Sautermeister "nicht per se schlecht". Der Bonner Moraltheologe betonte in einem Gastbeitrag im Onlineportal "Kirche und Leben" am Mittwoch, Macht sei ambivalent: "Es kommt also darauf an, wie man mit der Macht, die man hat, umgeht und wie man sie in zwischenmenschlichen Beziehungen und Institutionen einsetzt", schrieb er.
Ohne Macht gäbe es laut Sautermeister kein zwischenmenschliches Handeln, keine Organisationen und Institutionen. Auch Kirche würde ohne Macht nicht existieren. "Daran ändern auch alle Versuche nichts, Macht als Vollmacht oder Dienst umzudefinieren, um dem Negativimage von Macht entgegenzutreten." Wenn Macht grundsätzlich als negativ betrachtet werde, bestehe keine Möglichkeit der Unterscheidung.
Zusammenspiel
In Beziehungen gebe es ein unbewusstes Zusammenspiel von Machtdynamiken, die auch zu problematischen Formen der Machtausübung führen können. Solange diese Machtverstrickungen nicht durchschaut würden, könne man sie nicht verändern.
Um Machtmissbrauch handle es sich dann, wenn Machtverstrickungen gezielt hergestellt und genutzt würden. Typische Konstellationen dafür seien Kontexte von Hilfeleistung und geschuldeter Dankbarkeit, von Begünstigung und geschuldeter Gegenleistung und von Nachsichtigkeit gegenüber Verfehlungen und erpresstem Gehorsam. (KNA)
