Papst und "Herr der Ringe"

Gandalf-Zitat in Enzyklika: Theologe sieht "Hobbit-Ethik" bei Leo XIV.

Veröffentlicht am 27.05.2026 um 11:55 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Papst Leo XIV. zitiert in seinem ersten großen Lehrschreiben die Figur Gandalf aus dem Fantasy-Klassiker "Der Herr der Ringe". Der Theologe und Medienphilosoph Johannes Hoff hat eine ganz eigene Erklärung dafür.

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Warum zitiert Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika "Magnifica humanitas" J.R.R. Tolkien und seine literarische Figur Gandalf aus dem "Herrn der Ringe"? Für den Innsbrucker Theologen und Medienphilosophen Johannes Hoff liegt die Antwort auf der Hand: Der Papst verfolge in seinem Lehrschreiben eine "Hobbit-Ethik"; also eine Ethik der kleinen Schritte, die jeder und jede im Ringen um eine Zivilisierung von KI mitgehen solle.

Der Papst nehme sehr ernst, dass "die Menschheit an einem zivilisationsgeschichtlichen Scheideweg steht", zitiert die Presseagentur Kathpress Hoff aus dem Theologie-Podcast "Diesseits von Eden"; "und da gibt es keine einfachen Problemlösungen, keine einzelnen Personen und Institutionen, die man verantwortlich machen könnte: Wir alle stecken da drin und müssen uns einsetzen", so der Wissenschaftler.

Trümmerlandschaften digitaler Transformation

Tatsächlich lasse die am Pfingstmontag veröffentlichte Enzyklika keinen Zweifel an der Dramatik der Lage: "Sie benennt ohne falsche Zurückhaltung die Trümmerlandschaften, die wir im Zuge der digitalen Transformation bereits hinterlassen haben – vom sozialen Leben über die Kultur hin zum militärischen Bereich", sagt Hoff. Es sei klug, nicht für einfache Lösungen zu plädieren, sondern für eine "apokalyptische Wachsamkeit" und eine Sensibilität für die Zeichen der Zeit.

Entsprechend sei auch der in der bisherigen Rezeption wenig beachtete theologische Rahmen des Lehrschreibens wichtig, betont Hoff. Erst dieser Rahmen mache das dramatische Gefälle zwischen der "glorreichen Menschheit", wie "Magnifica humanitas" laut Hoff korrekter zu übersetzen wäre, und einer digital zugerichteten Welt mit neuen Vermachtungs- und Versklavungsverhältnissen deutlich.

"Um das Übel auszujäten, wie wir es können"

In seinem Lehrschreiben über "die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" zitiert Leo XIV. direkt aus dem Fantasy-Epos des "katholischen Schriftstellers" John Ronald Reuel (J.R.R.) Tolkien (1892–1973). In Absatz 213 der Enzyklika übernimmt der Papst wörtlich Worte des Zauberers Gandalf aus dem "Herrn der Ringe": "Doch unsere Sache ist es nicht, die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden."

Leo XIV. sieht in diesem Zitat die Verantwortung der Kirche in Bezug auf den Umgang mit KI gut beschrieben. "Die Zivilisation der Liebe entsteht nicht aus einer einzigen, spektakulären Geste, sondern aus der Summe kleiner und beharrlicher Taten der Treue, die als Bollwerk gegen die Entmenschlichung dienen", heißt es in dem Lehrschreiben: "Deshalb lohnt sich innezuhalten und einige Aspekte zu betrachten, wie wir, ein jeder in seinem eigenen Bereich, an ihrem Aufbau mitwirken können." (KNA)