Papst Leo XIV.: Krise der Demokratien hat tiefere Ursachen
Die derzeitige Krise der Demokratien hat nach Ansicht von Papst Leo XIV. tiefergehende Ursachen. In einer Ansprache an Mitglieder der Päpstlichen Stiftung "Centesimus Annus" sagte der Papst am Samstag: "Hinter der Krise der gegenwärtigen Demokratien und der Schwächung des Multilateralismus steckt eine Krise des Menschenbilds, die daher rührt, dass man den Schöpfer weitgehend vergessen hat."
Die Gegenwart sei gekennzeichnet von Kriegen, einer wachsenden Polarisierung und zunehmenden kulturellen und sozialen Gräben, so der Papst. Doch gerade in dieser Situation werde das gemeinsame Menschsein zu einem Grund neuer Hoffnung. In Zeiten der Krise seien die Menschen aufgerufen, zu fragen: "Wohin gehen wir? Auf welches Ziel hin sollen wir uns ausrichten? Welche Richtung sollten wir als Volk oder als menschliche Gemeinschaft einschlagen?"
Aufruf gegen die Entmenschlichung
In dieser Lage seien Christen aufgerufen, daran zu erinnern, dass die Zivilisation der Liebe aus "kleinen und beständigen Akten der Treue entsteht, die ein Bollwerk gegen die Entmenschlichung sind".
In seiner Ansprache würdigte der Papst die Arbeit der Stiftung "Centesimus Annus". Sie setzt sich seit 1993 dafür ein, das Studium der katholischen Soziallehre zu vertiefen und sie in der Gesellschaft umzusetzen.
Die Soziallehre zählt zu den inhaltlichen Schwerpunkten von Leo XIV. Sie ist Gegenstand seiner ersten, am Pfingstmontag erschienenen Enzyklika mit dem Titel "Magnifica humanitas". Das Motto der diesjährigen Jahrestagung der Stiftung "Centesimus annus" in Rom lautet: "Eine fragmentierte Welt auf der Suche nach Spiritualität – Freiheit und Pluralismus aus Sicht der Soziallehre der Kirche". (KNA)
