"Weiterhin die Aufgaben eines Oberhirten erfüllen"

Kardinal Erdö meldet sich nach schwerer Krankheit zurück

Veröffentlicht am 01.06.2026 um 12:45 Uhr – Lesedauer: 

Budapest ‐ Erstmals seit mehr als drei Monaten spricht Kardinal Péter Erdö öffentlich: Der ungarische Kirchenmann will seinen Dienst fortsetzen. Welche Erfahrungen ihn im Krankenhaus prägten.

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Der ungarische Kardinal Péter Erdö hat sich nach mehr als dreimonatiger krankheitsbedingter Abwesenheit erstmals wieder öffentlich geäußert. In einem Interview mit dem katholischen Nachrichtenportal "Magyar Kurír" dankte der Erzbischof von Esztergom-Budapest für die Unterstützung während seiner schweren Erkrankung und kündigte eine schrittweise Rückkehr in den Dienst an.

"Ich möchte mit Gottes Gnade weiterhin die Aufgaben eines Oberhirten erfüllen", sagte der 73-jährige Primas-Kardinal. Erdö war über Monate hinweg aus dem öffentlichen Leben weitgehend verschwunden. Zu Pfingsten nahm er erstmals wieder an zwei Gottesdiensten teil. Die Erzdiözese machte weiterhin keine näheren Angaben zur Art der Erkrankung des Kardinals, betonte aber, seine Rehabilitation verlaufe positiv.

Wertvolle Begegnungen im Krankenhaus

Im Interview hob Erdö besonders die breite Anteilnahme in der Bevölkerung hervor: "Ich wurde von den Menschen auf angenehme Weise überrascht. Die Zuneigung und Verbundenheit hat mich mehr berührt, als ich erwartet hätte", sagte der Kardinal. Die erfahrene Solidarität habe ihn in seiner Überzeugung bestärkt, dass zwischenmenschliche Beziehungen zu den wichtigsten Gütern gehören.

Rückblickend beschrieb er die Zeit der Krankheit als intensive persönliche Erfahrung. Im Krankenhaus habe er viele Begegnungen erlebt, die seinen Blick auf andere Menschen geschärft hätten. "Wir sind alle gleich und besitzen einen unveräußerlichen Wert in uns selbst", so der Kardinal. Unterschiede nach Herkunft oder Konfession hätten in dieser Zeit keine Rolle gespielt.

Erdö: "Auf alles vorbereitet"

Während seiner Krankheit habe er für alle Menschen des Landes gebetet, unabhängig von politischer Zugehörigkeit. Wichtig seien ihm die Einheit der Kirche in Ungarn und die ungarisch-slowakische Versöhnung. Der Kardinal sagte, zugleich habe er Phasen durchlebt, in denen sein Gebet auf wenige Worte reduziert gewesen sei. Intensiv habe er dabei die eigene Verletzlichkeit verspürt. In solchen Momenten habe er für alles gedankt, "und auf alles war ich vorbereitet".

Die Rückkehr des Kardinals fällt in eine Phase politischer Umbrüche in Ungarn. Während der Regierungswechsel von der bisherigen Fidesz-Regierung zu der Tisza-Partei von Peter Magyar die Beziehungen zwischen Staat und Kirchen neu ordnet, gilt Erdö als zentrale kirchliche Leitfigur mit erheblicher diplomatischer Erfahrung. Von 2005 bis 2015 stand er an der Spitze der Ungarischen Bischofskonferenz. Später leitete er auch den Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). (KNA)