24 Ordensmänner namentlich beschuldigt

Salvatorianer: Studie zählt 139 Fälle von Gewalt an Kindern

Veröffentlicht am 01.06.2026 um 13:25 Uhr – Lesedauer: 

München/Aachen ‐ In Kinderheimen und Schulen der Salvatorianer gab es Missbrauch und Misshandlungen. Das zeigt eine neue Aufarbeitungsstudie. Die Forscherinnen rufen Betroffene auf, sich zu melden.

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An Einrichtungen der Salvatorianer hat es seit dem Zweiten Weltkrieg mindestens 139 Fälle von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gegeben. Forscherinnen der Universität Kassel legten diese Zahlen am Montag bei einer Online-Pressekonferenz vor. Die Wissenschaftlerinnen gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Sie riefen Betroffene, Angehörige und Zeitzeugen auf, sich zu vertraulichen Interviews zu melden. So wollen sie Missbrauch und Misshandlungen in der Ordensgemeinschaft weiter aufarbeiten.

Den jetzt vorgelegten ersten Zwischenergebnissen zufolge waren mindestens 55 Mädchen und Jungen betroffen. 32 von ihnen besuchten ein Kinderheim im nordrhein-westfälischen Hövelhof-Klausheide. Die Fälle reichen hier bis in die 1970er-Jahre hinein. Zudem wurden bis Ende der 1980er-Jahre insgesamt 13 Heimkinder des Hermann-Josef-Hauses in Kall-Urft zu Opfern. Die weiteren Betroffenen besuchten unter anderem Ordensschulen und Einrichtungen im nordrhein-westfälischen Steinfeld, im baden-württembergischen Bad Wurzach und im österreichischen Vorarlberg.

24 Ordensmänner namentlich beschuldigt

Die Forscherinnen zählten 24 beschuldigte Salvatorianer, die namentlich bekannt sind. In 22 Fällen war es nicht möglich, die Vorwürfe sicher einer Person zuzuordnen. Hier könnte es Überschneidungen mit den namentlich bekannten Beschuldigten geben. Daneben gibt es Hinweise gegen einige weltliche Mitarbeitende. Für ihre Studie wertete das Uni-Team etwa ein Jahr lang Ordensakten und weitere Unterlagen aus. 53 Betroffene erhielten kirchliche Zahlungen von insgesamt rund 865.000 Euro – in Anerkennung des Leids sowie als Kostenübernahmen etwa von Therapien. Rund 743.000 Euro entrichteten die Salvatorianer selbst. Den Rest zahlten unter anderem die Bistümer.

Die Studie beleuchtet auch Missbrauch und Misshandlung in Einrichtungen der Armen-Brüder des heiligen Franziskus. Da die Wissenschaftlerinnen die Akten aber noch nicht vollständig ausgewertet haben, wollten sie derzeit keine Aussage zur Dimension treffen. Die Ordensgemeinschaft selbst erklärte, dass elf Brüder beschuldigt worden seien. Der erste Fall sei im Oktober 2013 an das Bistum Aachen gemeldet worden. Die letzte Auszahlung sei im Mai 2026 erfolgt. (KNA)