Junge Menschen viel zu wenig eingebunden

Bischof Kohlgraf kritisiert Entwicklungen in Wehrpflicht-Debatte

Veröffentlicht am 02.06.2026 um 10:45 Uhr – Lesedauer: 

Erfurt ‐ Wehrpflicht und Gewissen: Bischof Kohlgraf warnt davor, den Wehrdienst höher zu bewerten als Friedens- oder Zivildienst. Er kritisiert, dass junge Menschen in die Debatte zu wenig eingebunden seien.

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Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat eine breitere gesellschaftliche Debatte über das Thema Wehrpflicht gefordert. Es sei eine problematische Entwicklung, wenn in Diskussionen der Eindruck entstehe, dass der Wehrdienst ein höherwertigerer Dienst sei als etwa ein Zivil- oder Friedensdienst, sagte der Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi am Montagabend bei einem Online-Podium.

Als Beispiel nannte er auch eine unterschiedliche Bezahlung. Seines Erachtens findet sich solch eine Gewichtung auch nicht im Grundgesetz, wo die Gewissensfreiheit, den Dienst an der Waffe abzulehnen, verankert ist. Die Wehrpflicht ist im Grundgesetz verankert, aber seit 2011 ausgesetzt. In Diskussionen begegne ihm auch immer wieder das Argument, man könne sich die ethischen Debatten nicht mehr leisten, man brauche jetzt Soldaten und Waffen, so Kohlgraf. "Das halte ich für eine ziemlich schwierige Entwicklung. Mittlerweile ist die rein militärische Sicht auf Konfliktlösungen nicht mehr begründungspflichtig. Und das gilt auch für die Debatten um die Wehrpflicht."

Junge Menschen in Debatte außen vor

In diese würden junge Menschen zudem viel zu wenig eingebunden. "Ich halte das für einen gesellschaftlichen Schaden, denn sie müssen am Ende diese Verpflichtung übernehmen", hob Kohlgraf hervor. "Wir leben gerade in einer Zeit, wo ganz viel Last auch auf den Schultern junger Menschen abgeladen wird und sie diese in den nächsten 30, 40, 50 Jahren werden abtragen müssen." Er äußerte sich bei einer Veranstaltung des Katholischen Forums im Bistum Erfurt sowie der Katholischen und der Evangelischen Akademie in Sachsen-Anhalt zum Thema "Wehrtüchtig oder wehrflüchtig – wer verteidigt unser Land?".

Heiko Biehl, Direktor am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, verwies auf langjährige Untersuchungen des Zentrums, wonach eine Wehrpflicht doch auf eine breitere gesellschaftliche Zustimmung trifft. "Ja, die Jugend ist kritischer dem gegenüber, das zeigen die Umfragen eindeutig", so Biehl. "Aber wir haben auch Umfragedaten, die bis in den Kalten Krieg zurückreichen, die zeigen: Die Jugend war immer dem Militärischen und der Wehrpflicht kritischer gegenüber eingestellt, das ist kein neuer Aspekt."

Zugleich gab er Kohlgraf recht, dass es keine ausreichende Debatte gebe: "Ich glaube nicht, dass es kein Interesse daran gibt, sondern es wird von keiner politischen Kraft, keiner relevanten Kraft angestoßen. Man hat sich jetzt mit dem neuen Wehrdienst darauf verständigt, am Prinzip der Freiwilligkeit festzuhalten und dann zu schauen, wie es funktioniert." (KNA)