Theologe Lütz kritisiert Kölner-Dom-Eintritt: Kirche musealisiert sich
Der Theologe und Psychiater Manfred Lütz warnt vor einer Musealisierung des Kölner Doms durch die neue Eintrittsgebühr. "Es ist eigentlich ein Schritt der Verabschiedung des Christentums aus der deutschen Öffentlichkeit", sagte Lütz am Mittwoch dem Deutschlandfunk. "Der Kölner Dom hat ja auch einen symbolischen Charakter. Die Kirche musealisiert sich."
Der Dom sei ein Glaubensbekenntnis, sagte der Vatikan-Berater. Auch Atheisten besuchten das Weltkulturerbe. "Diese Erlebnisse – in den Dom zu gehen und einmal zu schauen, was dann passiert – die wird es nicht mehr geben. Und das finde ich unglaublich schade." Lütz zeigte zwar Verständnis für die Nöte des Domkapitels, aber er forderte Kölnerinnen und Kölner zu Protesten und auch zu mehr Spenden auf, damit die Entscheidung revidiert werde. Auch eine Erhöhung der staatlichen Zuschüsse könnte eine Lösung sein. Ab dem 1. Juli kostet der Kölner Dom für Touristinnen und Touristen 12 Euro Eintritt. Mit der neuen Eintrittsgebühr will das Domkapitel die Finanzlage der Kathedrale verbessern. Seit Jahren verursacht das Bauwerk mehr Kosten als Einnahmen.
Stadt Köln hält trotz Eintritt an Dom-Zuschüssen fest
Trotz des neuen Eintrittsgeldes hält die Stadt Köln an den Zuschüssen für den Kölner Dom fest. "Es gibt aktuell seitens der Stadt keine Pläne, an den Zuschüssen etwas zu ändern", teilte Sprecher Alexander Vogel der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch mit. Die Stadt weist Deutschlands bekanntester Kirche jedes Jahr 207.000 Euro für Restaurierungsarbeiten, Straßenreinigung und Abwassergebühren zu.
Laut Dompropst Guido Assmann soll mit der Zugangsgebühr eine Lücke von vier Millionen Euro geschlossen werden. Der Geistliche verteidigte die Eintrittsgebühr am Mittwoch auf WDR 5. Er führte gestiegene Lohn-, Material- und Energiekosten ins Feld. "Das merken wir alle im Portemonnaie", sagte er. Andere bekannte Kirchen wie etwa Notre-Dame in Frankreich seien zwar gratis zugänglich. Aber: "Notre-Dame de Paris gehört dem Staat Frankreich und der Staat sorgt dafür, dass diese Kirche erhalten bleibt." Der Dom gehöre jedoch sich selbst. "Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, muss also für sich selbst sorgen."
Laut Assmann rechnet der Dom im laufenden Jahr mit Ausgaben in Höhe von 16 Millionen Euro. Einnahmen erzielt er etwa durch Zuschüsse des Zentraldombauvereins, Spenden und Kollekten, Eintrittsgelder für Turmbesteigung und Domschatzkammer sowie Mittel der Stadt Köln, des Landes Nordrhein-Westfalen und des Erzbistums Köln. Der Dompropst verwies auf Ausnahmen und Ermäßigungen. Kostenfrei bleibt die Kathedrale für Menschen, die einen Gottesdienst besuchen, beten oder eine Kerze anzünden wollen. Kinder bis 13 Jahre zahlen keinen Eintritt. Ermäßigungen gibt es etwa für Jugendliche und Menschen mit Sozialpass – nicht jedoch für Rentnerinnen und Rentner. Die Einführung des Eintrittsgeldes rief teils Kritik, teils Verständnis hervor. (tmg/KNA)
