In Zeiten des Populismus zählt die Solidarität religiöser Akteure
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Es ist letztlich eine Einladung nach nebenan. Im Berliner Graefe-Kiez, einigen Straßenzügen in Kreuzberg, laufen derzeit die "15. Interreligiösen Begegnungstage". Unter dem Motto "Und was glauben die Nachbar*innen?" bieten Aleviten, Bahai und Buddhisten, evangelische und katholische Kirchengemeinden, Sufis und Juden Veranstaltungen oder Führungen an. "Diese Diversität auf so engem Raum zu erleben, ist ein Geschenk", heißt es im Programm.
Vergleichbare Programme gibt es zu unterschiedlichen Zeitpunkten in vielen Teilen Berlins. Mal geht das Kennenlernen bei gemeinsamem Essen durch den Magen, mal gehört ein Spaziergang durch den Kiez dazu. Und es gibt auch die Einladung an alle Interessierten zur Nachfeier von Fronleichnam am 7. Juni sowie die Teilnahmemöglichkeit an einem evangelischen, jüdischen oder alevitischen Gottesdienst.
Einer der führenden Akteure ist das "Berliner Forum der Religionen". Vergleichbare Bündnisse und ähnliche Veranstaltungsreihen bestehen an vielen Orten in Deutschland, ob sie denn "Rat der Religionen" oder "Runder Tisch der Religionen" oder ähnlich heißen. Es ist wichtig, dass es sie gibt. Denn all das ist mehr als Folklore. Es bietet sich einfach die Chance auf gegenseitiges Kennenlernen, auf Hilfsbereitschaft, Vernetzung. Auf der Ebene der Verantwortungsträger, aber auch der Gläubigen.
Zum "Deutschland 2026" gehört neben der Freiheit von Religion eben stets Religionsoffenheit und religiöser Pluralismus. Um diese Vielfalt sollte man ein wenig wissen. Dann kann man auch selbstbewusster darüber reden, welchen Reichtum Religion bietet und wie sehr Religion Menschen eben Heimat oder auch Kraft zum Durchhalten ist. Die Verbundenheit zur eigenen Religion geht dadurch gewiss nicht verloren.
In Zeiten, in denen Populismus boomt und gelebter Pluralismus einen schweren Stand hat, wird die Solidarität der religiösen Akteure untereinander wichtiger. Wie werden sie zusammenstehen oder füreinander einstehen, wenn Populisten oder Extremisten, die auf Ausgrenzung setzen, weiter an Einfluss gewinnen?
Der Autor
Christoph Strack ist Fachredakteur der Deutschen Welle für Religion und Religionspolitik.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
