Ohne Glaubensspuren dasselbe?

Papst Leo XIV.: Europas christliches Erbe anerkennen

Veröffentlicht am 08.06.2026 um 11:15 Uhr – Lesedauer: 

Madrid ‐ In traditionell katholischen Ländern grenzen sich Kunst und Kultur der Gegenwart oft vom christlichen Erbe ab, so auch in Spanien. Papst Leo XIV. hält das für verfehlt – und fordert einen offenen Blick.

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Papst Leo XIV. hat eine unvoreingenommene Wertschätzung für das christliche Erbe Europas gefordert. In Madrid fragte er am Sonntag bei einem Treffen mit Personen aus Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport: "Kann man wirklich glauben, dass das Europa, das wir so sehr lieben, ohne die Spuren des Glaubens dasselbe wäre?"

Vom Glauben bewegte Männer und Frauen hätten Krankenhäuser und Schulen errichtet, solidarische Initiativen ins Leben gerufen und eine Sprache benutzt, die die Würde des Menschen achtet, sagte der Papst. Dies zeige auch ein objektiver Blick. Deshalb könne man sich fragen, ob Europa seine Identität ohne diesen prägenden Einfluss hätte entwickeln können.

Papst will Religion und Alltag versöhnen

Der Papst fügte hinzu: "Das ist keine Provokation, sondern eine Einladung, darüber nachzudenken, ob die Ewigkeit, die durch die Menschwerdung Jesu Christi in Raum und Zeit eingedrungen ist, wieder mit dem Alltäglichen versöhnt werden kann."

„Wir sollten uns fragen, was wir heute säen, was in unserer Gesellschaft blüht und was still und leise verwelkt; welche Werte wir bewahren und welche wir sterben lassen.“

—  Zitat: Papst Leo XIV.

Weiter sagte der Papst: "Wir sollten uns fragen, was wir heute säen, was in unserer Gesellschaft blüht und was still und leise verwelkt; welche Werte wir bewahren und welche wir sterben lassen. Das sind tiefgreifende, notwendige Fragen, die nicht ignoriert werden können." Nötig sei ein respektvoller gesellschaftlicher Dialog darüber.

Auf die Sprache achten

Leo XIV. lud zu Behutsamkeit in einem solchen Diskurs ein: "Jeder Ausdruck sagt und vermittelt etwas; er kann verletzen oder heilen, Erwartungen zerstören oder Horizonte eröffnen, Spaltung säen oder Hoffnung wecken auf die Möglichkeit, gemeinsam etwas wahrhaft Menschliches aufzubauen."

An der Begegnung mit etwa 15.000 Teilnehmern wirkten unter anderen der Schauspieler und Regisseur Antonio Banderas, die Flamenco-Künstlerin Sara Baras, die Sportlerinnen Carolina Marín e Teresa Perales sowie Gewerkschaftsführer und Vertreter von Unternehmerverbänden mit. Der Papst hält sich seit Samstag zu einem einwöchigen Besuch in Spanien auf. (KNA)