Vor Papst-Treffen mit Betroffenenvertretern

Missbrauchsbetroffene in Spanien enttäuscht von Papst Leo XIV.

Veröffentlicht am 08.06.2026 um 12:02 Uhr – Lesedauer: 

Madrid ‐ Am Nachmittag trifft sich Papst Leo XIV. mit spanischen Missbrauchsbetroffenen – doch deren Verbände zeigen sich enttäuscht: Es handele sich um handverlesene Personen, die repräsentativen Vereinigungen blieben außen vor.

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Spaniens Missbrauchsopfer-Verbände zeigen sich vom Papst enttäuscht – obwohl sich Leo XIV. am Nachmittag in Madrid mit Opfern sexuellen Missbrauchs treffen wird. Am Montagmorgen hielten sie deshalb vor der Vatikanbotschaft in Madrid eine Pressekonferenz sowie einen lautlosen Protest ab, während sich der Papst dort mit Regierungschef Pedro Sánchez traf.

Die mögliche Vertuschung von Fällen durch Kirchenvertreter und zögerliche Entschädigungsleistungen führten immer wieder zu Streit zwischen der sozialistischen Regierung und der Spanischen Bischofskonferenz. Vor einigen Monaten akzeptierten die Bischöfe ein staatlich kontrolliertes Entschädigungsverfahren, nachdem sich die Regierung direkt an den Vatikan gewandt hatte.

"Mit Klarheit und Festigkeit" aufarbeiten

Laut einer jüngsten Umfrage der Zeitung "El País" meinen 70 Prozent der Spanier, die Kirche decke immer noch Täter. König Felipe VI. erinnerte den Papst am Samstag beim Empfang im Königspalast daran, dass der durch Kirchenmitglieder verursachte Schmerz "mit Klarheit und Festigkeit" aufgearbeitet werden müsse.

Akten liegen gestapelt im Regal eines Bistumsarchivs
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

Akten liegen gestapelt im Regal eines Bistumsarchivs am 19. März 2021.

Offenbar nach langem Zögern hatte der Vatikan einem Treffen mit Missbrauchsopfern für diesen Montag zugestimmt. Auf dem Flug von Rom nach Madrid unterstrich Leo XIV. vor Journalisten, sexueller Missbrauch in der Kirche sei "noch immer eine offene Wunde" – die er weiter bekämpfen wolle, wie er es sein Leben lang getan habe. Leider sei es ihm unmöglich, sich mit allen Opfern zu treffen, die darum bitten.

Dennoch äußerten sich die Opferverbände nun enttäuscht. "Der Papst trifft sich lediglich mit ein paar von der Kirche ausgewählten Opfern, die keine unangenehmen Fragen stellen werden", sagte der Präsident des Nationalen Verbandes für gestohlene Kindheit (ANIR), Juan Cuatrecasas, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das sei nicht hinnehmbar und traurig.

"Leugnen, Verheimlichen, Vernachlässigen"

Überrascht sei er nicht über das Vorgehen, vermutlich vor allem kirchennahe Opfer zu empfangen, so Cuatrecasas. Organisiert hätten das Treffen die Bischofskonferenz sowie Vertreter des Opus Dei. Das harte Urteil von Cuatrecasas: "Damit ist das Ergebnis seit Jahren immer dasselbe: Leugnen, Verheimlichen, Vernachlässigen der Pflicht zu Hilfeleistung sowie Komplizenschaft.

Am Montag verurteilten die Protestierer den "Ausschluss repräsentativer Verbände." Sie verlangten eine rechtliche Anerkennung der Opfer, lebenslange psychologische Betreuung sowie angemessene Entschädigung und Wiedergutmachung. "Wir wollen kein Foto mit dem Papst. Wir wollen Rechte und Wiedergutmachung für alle", so die Opferverbände. (KNA)