Standpunkt

Leo XIV. gleicht aus, was Franziskus versäumt hat

Veröffentlicht am 09.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Annette Zoch – Lesedauer: 

Bonn ‐ Papst Leo XIV. will über kurz oder lang nach Deutschland reisen. Damit gleicht er aus, was sein Vorgänger versäumt hat, kommentiert Annette Zoch. Ein Besuch hierzulande wäre ein Symbol.

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Schon wenige Monate nach der Wahl von Robert Prevost zu Papst Leo XIV. war aufmerksamen Nutzern der Sprachlern-App Duolingo aufgefallen, dass ein gewisser Dr. Prevost seinen Account wieder aktiviert hatte und in den frühen Morgenstunden Deutsch trainierte. Dass der Papst tatsächlich diese App nutzt, hat der Vatikan nie offiziell bestätigt. Es ist trotzdem eine amüsante Vorstellung, wie das Oberhaupt der katholischen Kirche nachts im Apostolischen Palast sitzt und die berühmt-berüchtigten Duolingo-Quatschsätze nachspricht, Sätze wie: "Die Eule ist klug und nett" oder "Ich habe achtundzwanzig Haare."

Tatsächlich hat Papst Leo XIV. auf dem Flug nach Spanien aber jetzt bestätigt, dass er spät nachts online Deutsch lerne und einen Deutschland-Besuch auf dem Zettel habe, auch wenn es dafür noch keine konkreten Pläne gibt.

Wenn Papst Leo XIV. also wirklich in naher Zukunft Deutschland besuchen sollte, gleicht er damit aus, was sein Vorgänger Franziskus versäumt hat. Der argentinische Papst ist mit Deutschland und den Deutschen nie warm geworden, Verstimmungen und Missverständnisse über den Synodalen Weg bestimmten das Verhältnis zwischen der deutschen Ortskirche und dem Pontifex.

Franziskus hatte gefordert, an die Ränder der Kirche zu gehen. Trifft das nicht auch auf Deutschland zu? Wird die Kirche hier nicht auch immer mehr zu einer Randerscheinung, in einem Land, in dem weniger als die Hälfte der Menschen noch einer Kirche angehören? Ein Besuch in einem der wichtigsten Staaten Kerneuropas könnte auch ein politisches Zeichen sein, für die Stärkung Europas. In Spanien erst hatte der Papst dafür geworben, das christliche Erbe für die Gestalt Europas stärker zu würdigen. Und als Augustinermönch liegt für Leo XIV. eine Reise auf den Spuren seines berühmten Ordensbruders im Land der Reformation ebenfalls nahe.

Bis es so weit ist, kann Dr. Prevost ja weiter nachts Deutsch üben.

Von Annette Zoch

Die Autorin

Annette Zoch ist Politikredakteurin der "Süddeutschen Zeitung" und schreibt dort über Religion und Kirche.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.