Papst Leo XIV. ruft in Katalonien zur Einheit auf
Nach mehreren umjubelten Auftritten in Madrid hat Papst Leo XIV. seine Spanienreise am Dienstag in Barcelona fortgesetzt. Beim Mittagsgebet in der gotischen Kathedrale der Stadt hielt er mehrere Sätze seiner Ansprache auf Katalanisch. Angesichts anhaltender Autonomiebestrebungen in der stolzen Region Katalonien wurde auf dieses Detail besonders geachtet.
Der Papst nutzte die Gelegenheit für einen Appell zur Einheit, um einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung entgegenzuwirken. Er betonte, dass in der Kirche "Menschen aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern" durch das Wirken desselben Geistes vereint seien.
"Es ist für jeden von uns wichtig, dass wir nicht zulassen, dass die Einheit zerstört wird, in der Gott uns geschaffen hat und zu deren Fülle er uns Tag für Tag führt", so das Kirchenoberhaupt. Die Katalanen hätten eine besondere Berufung und Verantwortung, mit Gottes Hilfe zu "Baumeistern der Einheit" zu werden. In einer von Kriegen und Spaltungen zerrissenen Welt, in einer zunehmend fragmentierten und individualistischen Gesellschaft sollten die Christen sich bewähren als "Zeugen und Propheten der Einheit, der Aufnahme, der Eintracht und des Friedens".
"Mutter der Einheit"
Leo XIV. beendete seine Ansprache auf Katalanisch mit einer Anrufung Marias als "Mutter der Einheit". Das Katalanische ist seit dem Mittelalter eine eigene romanische Sprache. Die spanische Zentralregierung in Madrid verbot ihren amtlichen Gebrauch im 18. und 19. Jahrhundert sowie erneut während der Franco-Diktatur von 1939 bis 1978. Seit Katalonien im demokratischen Spanien ab 1979 den Status einer "autonomen Gemeinschaft" erhielt, ist das Katalanische faktisch zur vorherrschenden Amtssprache in der Region geworden. Versuche katalanischer Separatisten, eine vollständige staatliche Loslösung von Spanien durchzusetzen, scheiterten jedoch.
Am Dienstagabend wird der Papst zu einem Abendgebet im Olympiastadion von Barcelona erwartet. Anlass seines Aufenthalts in der Mittelmeermetropole ist die Weihe des höchsten Kirchturms der Welt an der Basilika Sagrada Família am Mittwoch. Ihr Architekt Antoni Gaudí verstarb genau 100 Jahre zuvor.
Für Mittwochmittag ist überdies ein Besuch des Berg-Klosters Montserrat geplant, das als historische Hochburg der katalanischen Sprache und Kultur gilt. Die katholische Kirche hat die kulturellen Autonomiebestrebungen der Region im Nordwesten Spaniens meist unterstützt. Die Bemühungen radikaler katalanischer Separatisten um eine Loslösung von Spanien hat sie jedoch nicht aktiv gefördert. (KNA)
