Deutscher Pfarrer in den USA zur Fußball-WM: Stimmung ist eingetrübt
Die Fußballwelt schaut auf die USA, allerdings mit gemischten Gefühlen. Gemeinsam mit Kanada und Mexiko richtet das Land die Fußball-Weltmeisterschaft der Herren aus. Gerade unter der Ägide von Präsident Donald Trump sorgen Fragen nach der Migration für Diskussionen. Zudem spielt Fußball im Land keine große Rolle. Florian Edenhofer ist seit knapp einem Jahr der Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde New York. Im Interview spricht er über die Stimmung in der Gemeinde – und im Land.
Frage: Herr Edenhofer, wie ist die Stimmung vor der Fußball-WM?
Edenhofer: In der deutschen Gemeinde und auch im Generalkonsulat in Manhattan ist durchaus Vorfreude zu spüren – entsprechend laufen bereits die Vorbereitungen. In New York City gibt es das German House of Soccer als Anlaufpunkt für Fans aus Deutschland, und hier in White Plains wird eine "Fußballmeile" eingerichtet. Im Moment steht allerdings eher der Basketball im Vordergrund: Die New York Knicks stehen erstmals seit Langem wieder in den NBA-Finals – das ist hier derzeit das große Thema.
Frage: Die USA sind eigentlich überhaupt kein Fußballland. Ändert sich das durch die WM?
Edenhofer: Je internationaler das Umfeld ist – etwa in den großen Städten –, desto mehr Fußballfans trifft man auch in den USA. Darüber hinaus entfaltet die WM allerdings bislang keine besonders große Strahlkraft. In der öffentlichen Diskussion spielen unter anderem die Einreisebedingungen eine Rolle; eine gewisse Begeisterung ist am ehesten noch in den Gastorten der Nationalmannschaften und in den Spielstädten zu spüren. Hinzu kommen die vergleichsweise hohen Ticketpreise: Wer einen guten Platz haben möchte, muss teilweise einen vierstelligen Betrag bezahlen. Das dürfte dazu beitragen, dass die WM bislang noch nicht überall große Begeisterung ausgelöst hat.
Florian Edenhofer, Pfarrer der Deutschsprachigen Katholischen Gemeinde in New York, berichtet über die Stimmungslage in den USA zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft.
Frage: Zuletzt war es der somalische Schiedsrichter Omar Artan, der eigentlich bei der WM Spiele pfeifen sollte, aber dann doch nicht einreisen durfte. Ein irakischer Spieler wurde stundenlang festgehalten bei der Einreise, manche Begleiter des iranischen Teams dürfen gar nicht einreisen. Wie sehr ist das in einer Einwanderergemeinde wie Ihrer ein Thema?
Edenhofer: Menschen aus dem deutschsprachigen Raum sind von solchen Schwierigkeiten normalerweise nicht betroffen, weil für sie in der Regel keine entsprechenden Reisebeschränkungen gelten. Dennoch werden solche Entwicklungen in der Gemeinde aufmerksam wahrgenommen und durchaus kritisch diskutiert. Schließlich ist die Geschichte der USA eng mit Einwanderung verbunden. Einwanderer haben viel in dieses Land eingebracht und tragen mit ihrer Arbeitskraft bis heute zu seiner Entwicklung bei. Vor diesem Hintergrund wurde auch die Geste von Bundeskanzler Friedrich Merz unterschiedlich aufgenommen, als er US-Präsident Donald Trump bei seinem Besuch im Juni 2025 ein Faksimile der Geburtsurkunde von dessen deutschem Großvater überreichte.
Frage: Gleichzeitig sind die USA ein Land im Krieg. Welche Rolle spielt das?
Edenhofer: Die internationale Lage wirkt sich auch hier auf die Stimmung aus. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Viele Menschen müssen deshalb sehr genau überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben, und können sich größere Unternehmungen rund um die Fußball-WM nicht ohne Weiteres leisten. Manche leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck, andere sind auf mehrere Beschäftigungen angewiesen oder greifen gelegentlich auf ihre Ersparnisse zurück. In einem liberalen und stark von den Demokraten geprägten Bundesstaat wie New York führt das auch zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Politik der Regierung in Washington.
Seine Politik sorgt auch bei der WM für Diskussionen: US-Präsident Donald Trump.
Frage: Wie gehen Sie damit in der Gemeinde um?
Edenhofer: Wir sprechen gelegentlich darüber. Viele Menschen in unserer Gemeinde sind von diesen Entwicklungen allerdings weniger stark betroffen als die Gesamtgesellschaft. Häufig werden sie von großen deutschen oder europäischen Unternehmen auf gute Stellen in die USA entsandt und kehren nach einigen Jahren wieder zurück. Deshalb treffen sie gestiegene Supermarktpreise in der Regel nicht in existenzieller Weise. Zwar äußert man sich durchaus kritisch, zugleich bewegt man sich aber auch in einer eigenen Community und damit in einem Umfeld, das nicht unbedingt die gesamte gesellschaftliche Wirklichkeit abbildet.
Was sich jedoch verändert, ist die Personalpolitik der Unternehmen. Sie prüfen inzwischen genauer, ob sie noch jemanden aus Europa in die USA entsenden und die damit verbundenen Visumskosten übernehmen – oder ob eine Aufgabe auch von jemandem vor Ort übernommen werden kann.
Frage: Wenn es mit der WM jetzt losgeht: Sind die Menschen in Ihrer Gemeinde dann gespalten, ob sie dem deutschen oder dem US-Team die Daumen drücken sollen?
Edenhofer: Das ist durchaus unterschiedlich. Die Fankultur ist hier ohnehin eine andere: Ultras, wie man sie aus Europa kennt, gibt es kaum. Man drückt einer Mannschaft die Daumen und zeigt seine Unterstützung, indem man das entsprechende Nationaltrikot trägt. Wenn das Team gewinnt, freut man sich, und wenn nicht, ist das auch kein Drama. Die Stimmung ist also deutlich weniger aufgeladen.
Eine stärkere Bindung an die Nationalmannschaften findet man meist eher bei den Älteren. Bei Kindern und Jugendlichen ist das sehr unterschiedlich; viele interessieren sich mehr für Basketball oder andere Sportarten.
Frage: Also will auch niemand von Ihnen im Gottesdienst einen Segen für die deutsche Mannschaft?
Edenhofer: Wünsche nach entsprechenden Fürbitten gibt es durchaus. Aber ich halte es dabei lieber mit einer katholischen Perspektive und schaue auf das Ganze: Wir beten für alle Beteiligten, dafür, dass es eine schöne WM wird – und dass am Ende stets die bessere Mannschaft gewinnen möge.
