In Weltkirche mit verschiedenen Theologien umgehen lernen

Anselm Grün: Keine theologischen Gründe gegen Frauenpriestertum

Veröffentlicht am 10.06.2026 um 11:05 Uhr – Lesedauer: 

Münsterschwarzach ‐ Bei zentralen Reformfragen braucht es aus Sicht von Benediktiner Anselm Grün unterschiedliche Antworten. In einem Interview sprach der Benediktiner auch darüber, wie Mission heute aussehen sollte.

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Der bekannte Benediktinerpater und Buchautor Anselm Grün hat sich für mehr Regionalisierung in der Weltkirche ausgesprochen. "Wir müssen lernen, mit verschiedenen Theologien in den unterschiedlichen Kulturen umzugehen", sagte Grün in einem Interview mit der "Welt" (Mittwoch). "Es bleibt die Hoffnung, dass es auch zu Aufweichungen bei festgefahrenen Positionen kommt."

Der Benediktiner betonte, dass es keine theologischen Gründe gegen das Frauenpriestertum oder die Segnung homosexueller Paare gebe. "Der Papst nimmt mit seiner Ablehnung der Segnung Homosexueller Rücksicht auf die afrikanischen Kirchen, die Sturm gelaufen sind, als Papst Franziskus das erlaubt hat", erklärte Grün. Er bezog sich damit auf die vehemente Kritik vor allem aus dem afrikanischen Kontinent an der vatikanischen Segenserklärung "Fiducia supplicans". Damit hatte das Glaubensdikasterium – mit Genehmigung von Papst Franziskus (2013-2025) – unter bestimmten Bedingungen die Segnung homosexueller Paare erlaubt. Auch die Ostkirchen würden sich "sofort abspalten", wenn das Frauenpriestertum zugelassen werde, mahnte der Benediktiner.

Auf die Frage, ob die Kirchen heute mehr missionieren müssten, sagte Grün, er selbst gehe nicht auf die Straße und sage den Menschen, sie müssten glauben. "Aber dass wir zu unserem Glauben stehen, den Mut haben, uns auch in glaubensfernen Bereichen dazu zu bekennen, in die Kirche zu gehen und davon innerlich zu profitieren, das halte ich für wichtig." Die Kirche habe zu oft von oben herab gepredigt, moralisiert und Forderungen aufgestellt. "Das Wichtigste aber ist etwas anderes: zuhören, was die Menschen bewegt, die jungen wie die älteren, ihre Ängste entdecken, wahrnehmen, was ihnen Inhalt gibt", so der 81-Jährige. "Das muss die Grundlage der Verkündigung eines Glaubens sein, der einerseits Halt gibt und ein sicheres Wertefundament, und der andererseits zur inneren Freiheit befähigt und nicht zum geistlichen Missbrauch führt." (cbr)