Nach Reliquien-Großereignis: Patriarch nennt Kritiker "Idioten"
Während der Abschiedszeremonie für die wohl bekannteste und meistverehrte Reliquie der orthodoxen Christenheit sorgte das Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche mit einer Äußerung für Aufsehen. Wie ein Video zeigt, beleidigte Patriarch Porfirije Peric einige Gläubige und Kritiker des religiösen Großereignisses rund um die Reliquie. Wörtlich sagte das Kirchenoberhaupt: "Wie viele Leute gekommen sind! Das zeigt, wie groß der Bedarf ist. Die Leute sind normal, aber ein paar Idioten tauchen immer wieder auf."
Seit Mai 2026 befand sich die wohl bekannteste und am meisten verehrte Reliquie der orthodoxen Christenheit, der Heilige Gürtel der Jungfrau Maria, in Belgrad. Normalerweise wird der Gürtel im Vatopedi-Kloster auf dem Berg Athos in Griechenland aufbewahrt. In unregelmäßigen Abständen wird die Reliquie zur Verehrung an anderen Orten ausgestellt – so etwa 2011 für einen Monat in Russland und zuletzt in der serbischen Hauptstadt. Der Überlieferung zufolge soll die Jungfrau Maria den Gürtel selbst aus Kamelhaar angefertigt haben. Nach ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel soll sie ihn dann dem Apostel Thomas in einer Erscheinung übergeben haben. Aufgrund seiner Zweifel soll Maria ihm ihren Gürtel als Beweis für das Geschehen gereicht haben.
Nähe zur Regierung
Beobachter gehen davon aus, dass die Regierung von Präsident Aleksandar Vucic gemeinsam mit der Serbisch-Orthodoxen Kirche die Reliquie aus politischen Gründen nach Belgrad bringen ließ, um den anhaltenden Studentenprotesten entgegenzuwirken. Im Mai dieses Jahres formierte sich in Belgrad erneut eine große Protestkundgebung gegen Präsident Vucic, bei der wieder Neuwahlen gefordert wurden. Die Demonstration war Teil einer anhaltenden Protestbewegung, die durch den Einsturz eines Bahnhofsvordachs in der nordserbischen Stadt Novi Sad im November 2024 ausgelöst. Bei dem Unglück kamen 16 Menschen ums Leben.
Getragen wird die Bewegung vor allem von Studierenenden, die über ein Jahr hinweg nahezu alle Universitäten des Landes besetzt hielten. Kritik gab es auch an der Haltung der serbisch-orthodoxen Kirche. Kritiker werfen Porfirije Nähe zur autoritären Regierung von Präsident Vucic vor. (mtr)
