Kasper: Bei Synodalem Weg "vernünftigen Ausgleich" mit Rom finden

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper (93) mahnt die Kirche in Deutschland, beim Synodalen Weg einen "vernünftigen Ausgleich" mit Rom zu finden. Die katholische Kirche in Deutschland dürfe nicht meinen, der Weltkirche den Weg vorschreiben zu können, sagte Kasper am Donnerstag in Wien. Er sprach an der dortigen Universität über das Thema "Erneuerung aus dem Ursprung. Herausforderungen postkonziliarer Theologie". Über die Veranstaltung berichteten das Portal communio.de und die österreichische Nachrichtenagentur Kathpress.
Synodalität dürfe nicht parlamentarisch verstanden werden, so Kasper weiter. Es gehe nicht einfach um Mehrheiten, sondern um Beratung und Unterscheidung. Der Bischof müsse hören, aber auch die anderen müssten die Stimme des Bischofs hören.
Zuerst skeptisch, aber...
Zum synodalen Prozess der Weltkirche, den Papst Franziskus (2013–2025) angestoßen hatte, äußerte sich Kasper positiv. Zunächst sei er skeptisch gewesen, bekannte er. Doch gemeinsames Hören, offene Rede und geistliche Unterscheidung könnten die Kirche voranbringen. Die bei den beiden Vollversammlungen der Weltsynode eingeübte Technik des "Gesprächs im Geist" sei eine tragfähige und zukunftsweisende Form der Kommunikation und Entscheidungsfindung und müsse weiterentwickelt werden.
Zugleich warnte Kasper vor zu großer Schwarzseherei im Blick auf Kirche und Glaube: "Die Sehnsucht nach einer anderen, gerechteren Welt bewegt viele Menschen. Und damit kommt die Gottesfrage ins Spiel. Der Gottesgedanke ist insofern auch heute unverzichtbar". Während des Heiligen Jahres 2025 in Rom habe er eine sehr agile junge Generation erlebt, die durchaus an Gott und Religion interessiert sei, berichtete der Kardinal. "Da habe ich gesehen: So schnell sind Kirche und Glaube nicht am Ende."
Seine Ausführungen verband Kasper mit einem Plädoyer für die Theologie an staatlichen Universitäten. Dort werde sie wissenschaftlich herausgefordert und könne zugleich zum öffentlichen Nachdenken über Grundwerte beitragen. Gleichzeitig kritisierte er eine zu hohe Spezialisierung. "Es ist gut, über ein theologisches Detailproblem zu arbeiten – aber ich muss auch in der Lage sein, zu erklären, was der christliche Glaube und seine Mitte ist", erklärte der Kardinal. Theologie müsse zeigen, was der christliche Glaube mit den Grundfragen des Menschen zu tun habe. "Wenn die Theologie nicht mehr rezipiert wird, dann fehlt der Gesellschaft etwas." (mal)