"Deutliche Kritik an konkreter aktueller Politik"

Sozialethikerin lobt gemeinsames Signal der G7-Bischofskonferenzen

Veröffentlicht am 13.06.2026 um 09:35 Uhr – Lesedauer: 

Bonn/Freiburg ‐ Bischöfe aus Europa, Nordamerika und Japan sprechen mit einer Stimme. Das verleiht dem Appell für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde an die G7-Staaten besonderes Gewicht, sagt Ursula Nothelle-Wildfeuer.

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Die Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer sieht in der gemeinsamen Erklärung der Bischofskonferenz-Vorsitzenden der G7-Staaten an die Gipfelteilnehmer im französischen Évian-les-Bains eine "sehr wachsame Reaktion auf die augenblickliche Lage". Das geeinte Auftreten der katholischen Bischofskonferenzen dieser Staaten "hat Gewicht", sagte sie am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Angesichts der aktuell "heiklen politischen Situation" warnten die Bischöfe der G7-Staaten erstmalig gemeinsam vor der Gefahr, dass man immer mehr vergesse, wofür Politik eigentlich da sei: "nämlich nicht einfach für Macht, sondern für die Menschen", so die Professorin für Christliche Gesellschaftslehre. Die Bischöfe rufen in ihrer Erklärung dazu auf, Brücken für Frieden, Gerechtigkeit und die Menschenwürde zu bauen.

Die Sozialethikerin erinnerte daran, sowohl Papst Franziskus als auch Papst Leo XIV. hätten deutlich darauf hingewiesen, dass der Multilateralismus als regelbasiertes politisches Agieren aktuell verloren gehe. Es sei ein wichtiger Schritt, dass die G7-Bischofskonferenzen angesichts dieser Problemlage noch einmal gemeinsam deutlich machten, worauf es ankomme, sagte Nothelle-Wildfeuer.

Bemerkenswerte Einigkeit

Als aus ihrer Sicht bemerkenswert hob sie hervor, dass die Bischofskonferenzen "sämtlicher G7-Länder sogar über Kontinente und unterschiedliche politische Kontexte hinweg mit einer einzigen Stimme sprechen". Neben europäischen Ländern seien darunter ja auch Kanada, Japan und die USA vertreten – das gebe dem Dokument besonderes Gewicht, so die Freiburger Professorin.

Im Statement enthalten sei "deutliche Kritik an konkreter aktueller Politik", etwa der Hinweis auf die jüngsten Kürzungen in der öffentlichen Entwicklungshilfe. "Da werden ganz klar Prioritäten benannt", sagte Nothelle-Wildfeuer. Es werde klar, dass nicht die Ärmsten die Kosten der globalen Aufrüstung tragen dürften.

Zudem betonten die Bischöfe die Forderung Papst Leos XIV., dass die künstliche Intelligenz entwaffnet und lebensfreundlich gemacht werden müsse. Laut Nothelle-Wildfeuer wird in dem vorgelegten Papier klar, dass sich die Kirche nicht als politische Kraft verstehe. Stattdessen stelle sie Raum zum Dialog zur Verfügung, unterstütze Friedensinitiativen und stärke zivilgesellschaftliche Akteure. (KNA)