Eigener Sendung gerecht werden

Bischof Jung: Die Arbeit an der eigenen Berufung ist nie vorbei

Veröffentlicht am 15.06.2026 um 18:05 Uhr – Lesedauer: 

Würzburg ‐ Weder mit der Diakonen-, noch mit der Priester- und schon gar nicht mit der Bischofsweihe sei man fertig, sagt der Würzburger Bischof Franz Jung. Vor allem müsse die Fähigkeit zum Mitgefühl bewahrt werden.

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Die Klage über den Fachkräftemangel ist nach den Worten des Würzburger Bischofs Franz Jung so alt wie das Evangelium. Gebe es zu wenige, bestehe auch die Gefahr, jeden zu nehmen und die Zahl über die Qualität zu stellen, sagte Jung am Sonntag in Würzburg beim Gottesdienst zum Mozartfest im Kiliansdom.

Doch der Satz "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter", mit dem Jesus die Jünger aussende, lasse sich auch anders verstehen, so der Bischof. Nämlich, dass es nur wenige gebe, die bereit seien, an sich zu arbeiten. Weder mit der Diakonen- noch mit der Priester- und schon gar nicht mit der Bischofsweihe, sei man fertig: "Da beginnt erst die Arbeit im Leben – die Arbeit an der eigenen Berufung, an der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, die Arbeit daran, der eigenen Sendung in der Kirche gerecht zu werden."

Man müsse jeden Tag neu an sich arbeiten; an der eigenen Fähigkeit zum Mitgefühl, im stellvertretenden Gebet und am eigenen inneren Heilungsprozess, betonte Jung. In Berufen, in denen man mit Menschen zu tun habe, lerne man, die eigenen Grenzen zu erkennen. Doch jenseits dieser professionellen Distanz brauche es die Fähigkeit zur Empathie.

Ein fühlendes Herz nötig

Es gelte, sich zu fragen: "Fühle ich, wie es jemanden geht? Lasse ich das an mein Herz heran oder mache ich dicht?" Die Not sei da, auch außerhalb des kirchlichen Rahmens. "Aber dazu brauche ich ein Herz, das sieht, hört und fühlt, wo die Welt im Argen liegt." Jesus trage den Jüngern auf, nicht permanent um die eigene Befindlichkeit zu kreisen, sondern sich zu fragen, ob sie wirklich fühlten, wie es den Menschen gehe.

Der Gottesdienst mit rund 900 Besucherinnen und Besuchern war zugleich die Feier des achten Jahrestages von Jungs Bischofsweihe und die seines 60. Geburtstags. Der Bischof dankte seiner Familien, allen Freunden und Weggefährten sowie allen Gläubigen für das begleitende Gebet in diesen bewegten Jahren. Im Anschluss waren alle zu einem Empfang auf der Terrasse des Burkardushauses eingeladen, um mit Jung gemeinsam zu feiern. (KNA)