Zwischen Konzil und Gegenwart

Über 100 Jahre alt: Die ältesten Bischöfe der Kirche

Veröffentlicht am 16.06.2026 um 09:05 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Bonn ‐ Sie erlebten Weltkrieg, Konzil, mehrere Päpste und den Wandel der Kirche: An diesem Dienstag haben weltweit neun Bischöfe die Marke von 100 Jahren überschritten. Wer sind sie und wer kommt bald noch dazu?

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Der älteste katholische Bischof der Welt ist 104 Jahre alt. Insgesamt leben derzeit neun Bischöfe, die das 100. Lebensjahr vollendet haben. Sie gehören damit zu einem außergewöhnlichen Kreis von Kirchenmännern, die den Zweiten Weltkrieg erlebten, teils am Zweiten Vatikanischen Konzil teilnahmen und unter den Pontifikaten zahlreicher Päpste wirkten. Mit dem 100. Geburtstag des brasilianischen Bischofs Hildebrando Mendes Costa am Dienstag (16. Juni) wächst dieser "exklusive" Kreis von acht auf neun Mitglieder.

Mendes Costa ist emeritierter Bischof der Diözese Estância im Bundesstaat Sergipe, im Nordosten Brasiliens. Diese leitete er rund 17 Jahre lang bis zu seinem altersbedingten Rücktritt im April 2003. In lokalen Medien wird er bis heute als "Engel des Friedens" bezeichnet, denn für viele Menschen in Arapiraca, seinem Geburtsort, ist Dom Hildebrando weniger für kirchenpolitische Positionen bekannt, sondern wegen seiner Persönlichkeit.

Bereits als Kind soll er den Wunsch geäußert haben, Priester zu werden. Trotz bescheidener finanzieller Verhältnisse unterstützte sein Vater diesen Weg. 1951 empfing er die Priesterweihe, 1981 folgte die Bischofsweihe. Sein Name wird unter anderem mit dem Bioethik-Dokument "Manifesto pela Vida" der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) aus dem Jahr 1999 in Verbindung gebracht, das Fragen des Lebensschutzes vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Debatten in Brasilien Ende der 1990er behandelte.

Der älteste Bischof der Welt

An der Spitze der Liste der ältesten Bischöfe der katholischen Kirche steht José de Jesús Sahagún de la Parra (104) aus Mexiko. Der emeritierte Bischof von Ciudad Lázaro Cárdenas gilt nicht nur als ältester lebender katholischer Bischof, sondern auch als einer der letzten vier noch lebenden Konzilsväter des Zweiten Vatikanischen Konzils. Geboren wurde Sahagún de la Parra 1922 im Bundesstaat Michoacán. Nach seiner Priesterweihe wirkte er zunächst in der Diözese Zamora. Papst Johannes XXIII. ernannte ihn 1961 zum ersten Bischof der neu gegründeten Diözese Tula. Während seiner Amtszeit nahm er an drei Sitzungsperioden des Zweiten Vatikanischen Konzils teil und gehörte zu den wenigen mexikanischen Bischöfen, die bereits bei der Konzilseröffnung anwesend waren.

Auszug der Bischöfe aus der Konzilsaula im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils 1964 im Petersdom im Vatikan.
Bild: ©KNA/Ernst Herb

Auszug der Bischöfe aus der Konzilsaula im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils 1964. Darunter: José de Jesús Sahagún de la Parra aus Mexiko (104) und Daniel Alphonse Omer Verstraete (101) aus Belgien.

1985 berief ihn Papst Johannes Paul II. zum ersten Bischof der neu errichteten Diözese Ciudad Lázaro Cárdenas. Dort engagierte er sich besonders für soziale Projekte und die Förderung des Dialogs zwischen Klerus und Laien. Seit seinem Ruhestand im Jahr 1993 lebt er wieder in seinem Heimatbundesstaat Michoacán.

Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils

Auf Platz zwei folgt der belgische Ordensgeistliche Daniel Alphonse Omer Verstraete (101). Der emeritierte Bischof von Klerksdorp in Südafrika gehört wie José de Jesús Sahagún de la Parra zu den letzten noch lebenden Teilnehmern des Zweiten Vatikanischen Konzils. Verstraete trat der Ordensgemeinschaft der Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria bei und empfing 1950 die Priesterweihe.

Nach Jahren missionarischer Tätigkeit in Südafrika ernannte ihn Papst Paul VI. 1965 zum Apostolischen Präfekten von West-Transvaal. Als die Präfektur 1978 zum Bistum Klerksdorp erhoben wurde, wurde er dessen erster Bischof. Während seiner Amtszeit wirkte Verstraete in den letzten Jahrzehnten der Apartheid und setzte sich für die seelsorgliche Betreuung der katholischen Gemeinden in einem von sozialen Spannungen geprägten Umfeld ein. Nach 16 Jahren an der Spitze des Bistums trat er 1994 in den Ruhestand.

Diplomatie, Theologie und pastorales Wirken

Zu den Hundertjährigen zählt auch der Italiener Kardinal Angelo Acerbi (100), einer der erfahrensten Diplomaten des Heiligen Stuhls. Als Apostolischer Nuntius vertrat er den Papst unter anderem in Neuseeland, Kolumbien, Ungarn und den Niederlanden. Internationale Aufmerksamkeit erhielt er 1989, als er während seines Dienstes in Kolumbien einen bewaffneten Angriff nur knapp überlebte. Papst Franziskus erhob ihn 2024 im Alter von 99 Jahren noch zum Kardinal.

Bild: ©picture alliance / Anadolu | Riccardo De Luca

Zu den ältesten Kardinälen der Welt zählt Angelo Acerbi, emeritierter Vatikandiplomat. Er wurde am 23. September 2025 100 Jahre alt.

Der belgische Bischof Albert Jean Charles Ghislain Houssiau (100) gehört zu den bedeutenden katholischen Theologen seines Landes. Der Professor für Dogmatik wurde 1986 zum Bischof von Lüttich ernannt und engagierte sich während seiner Amtszeit besonders für den ökumenischen Dialog sowie die Zusammenarbeit zwischen Laien und Klerus. Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2001 blieb er in theologischen Kreisen präsent.

Menschenrechte und Diplomatie

Der südkoreanische Erzbischof Victorinus Youn Kong-hi (100) zählt zu jener Generation von Geistlichen, die den bemerkenswerten Aufstieg der katholischen Kirche in Korea begleiteten. Als Erzbischof von Gwangju leitete er seine Erzdiözese von 1973 bis 2000 durch eine Zeit gesellschaftlicher und politischer Veränderungen. Dabei setzte er sich für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und die Evangelisierung ein.

Der Italiener Gaetano Bonicelli (100) war zunächst in der Diözese Bergamo tätig, bevor ihn Papst Paul VI. 1975 zum Bischof ernannte. Später übernahm er das Amt des Militärordinarius für Italien und war damit für die katholische Seelsorge in den Streitkräften verantwortlich. Von 1989 bis 2001 leitete er als Erzbischof die Erzdiözese Siena-Colle di Val d’Elsa-Montalcino, eine in der Kirchenregion Toskana gelegene Erzdiözese mit Sitz in Siena.

Die Hundertjährigen aus Brasilien

Mit Manuel Edmilson da Cruz (100) gehört auch ein brasilianischer Kapuziner zu den ältesten Bischöfen der Welt. Der Ordensgeistliche wurde 1991 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Limoeiro do Norte ernannt und leitete die Diözese im Nordosten Brasiliens bis 2007. Sein Wirken galt vor allem der Seelsorge und der Ausbildung des Klerus.

Ebenfalls 100 Jahre alt ist Jacques Marie Sébastien de Saint-Blanquat. Der französische Geistliche wurde 1988 zum Weihbischof von Bordeaux ernannt und widmete sich insbesondere der Priesterausbildung sowie der pastoralen Begleitung von Priestern, Ordensleuten und Laien. Nach seiner Emeritierung blieb er dem kirchlichen Leben seiner Heimatregion eng verbunden.

In den kommenden Wochen kommen noch weitere Namen hinzu. Mit Heitor de Araújo Sales am 29. Juli und Pedro Antônio Marchetti Fedalto am 11. August erreichen zwei weitere emeritierte brasilianische Bischöfe die Marke von 100 Jahren. Die Zahl der hundertjährigen Bischöfe könnte damit bereits im Sommer auf elf steigen. Spannend bei de Araújo Sales ist, dass er der Bruder des 2012 verstorbenen Kardinals Eugênio de Araújo Sales war. Er stand an der Spitze der Erzdiözese Natal im Bundesstaat Rio Grande do Norte. Fedalto hingegen war bis 2004 Erzbischof von Curitiba im südlichen Bundesstaat Paraná. Vier seiner Brüder waren ebenfalls Priester.

Von Mario Trifunovic