Er wurde als Beichtvater Putins bezeichnet

EU verhängt Sanktionen gegen Krim-Bischof

Veröffentlicht am 16.06.2026 um 10:50 Uhr – Lesedauer: 

Brüssel ‐ In Russland unterstützen orthodoxe Geistliche öffentlich den Angriffskrieg gegen die Ukraine. Jetzt geht die EU gegen einen Metropoliten vor: Er habe "systematisch kremlfreundliche Desinformation" verbreitet.

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Die EU hat den russisch-orthodoxen Metropoliten der Halbinsel Krim, Tichon (Schewkunow), auf ihre Sanktionsliste gesetzt. In der am Montag im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Verordnung wird die Maßnahme damit begründet, dass der Bischof "eine aktive Rolle bei der Verbreitung russischer Propaganda und Desinformation zur Rechtfertigung des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine" spiele. Demnach nahmen die Außenminister der EU-Staaten bei ihrer Sitzung am Montag in Luxemburg zehn natürliche Personen und eine Organisation in die Sanktionsliste auf. Damit stehen auf ihr nun 79 Personen.

Tichon pflegt gute Kontakte zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Als ihn das orthodoxe Moskauer Patriarchat im Oktober 2023 zum Metropoliten von Simferopol und der Krim ernannte, wurde er in einigen russischen und ukrainischen Medien als Beichtvater des Kremlchefs bezeichnet. Vor einem Jahr berief ihn Putin in ein Beratungsgremium für die Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Er gehört außerdem Putins Rat für Kultur und Kunst an.

"Nazismus" in der Ukraine

Dem EU-Amtsblatt zufolge verbreitet Tichon "systematisch kremlfreundliche Desinformation, einschließlich Behauptungen des 'Nazismus' in der Ukraine". Er leugne außerdem die Souveränität der Ukraine und behaupte, Russlands Überfall sei "notwendig, defensiv und göttlich legitimiert". Durch Predigten, Äußerungen in Medien sowie Spenden für die russischen Truppen auf der besetzten ukrainischen Halbinsel Krim fördere und ermögliche der Geistliche "die militärischen Handlungen Russlands". Damit führt er Aktionen aus, die die Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Stabilität und Sicherheit in der EU und in der Ukraine untergraben oder bedrohen, wie es hieß. In der Verordnung steht der Bischof unter seinem bürgerlichen Namen Georgij Schewkunow.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, man habe das Sanktionspaket verabschiedet, um den Druck auf Russland zu erhöhen, den Krieg zu beenden. Die Maßnahmen träfen neben Russlands militärisch-industriellen Komplex und seiner Schattenflotte auch "die Netzwerke, die Moskaus hybride Angriffe gegen Europa befeuern, mitten ins Herz".

Russland hatte im Februar 2022 einen Großangriff auf die Ukraine begonnen und besetzt mit seinen Truppen aktuell etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes. Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Kyrill I., unterstützt den Angriffskrieg. Bisher verhängten einzelne EU-Staaten Strafmaßnahmen gegen ihn, nicht aber die Europäische Union. Russlands orthodoxer Kirchensender Spas steht hingegen schon seit Ende 2023 auf der Sanktionsliste, weil er Desinformation über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verbreite. (KNA)