Instrumentalisierung von Religion

Kardinal Marx wirft russischem Patriarchen Kyrill Häresie vor

Veröffentlicht am 12.02.2026 um 11:56 Uhr – Lesedauer: 

München ‐ Wiederholt hat der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill versucht, Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine theologisch zu legitimieren. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx kritisiert ihn nun scharf.

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Der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, hat sich gegen die Instrumentalisierung von Religion für Politik, Gewalt und Krieg gewandt und den russischen Patriarchen Kyrill I. (Foto) scharf kritisiert. Laut Mitteilung des Erzbistums sagte er am Mittwochabend: "Was der Patriarch von Moskau sagt, ist Häresie." Der orthodoxe Patriarch Kyrill I. hatte sich wiederholt hinter die Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putins gestellt und den Ukraine-Krieg als "Heiligen Krieg" bezeichnet.

Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des dritten theologischen Friedenssymposiums anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz sagte Marx weiter: "Wir sehen überall eine Instrumentalisierung von Religion, manche religiöse Führer lieben die Nähe zur Macht." Er betonte: "Religion darf nicht an der Seite der Mächtigen stehen, sondern muss an der Seite der Schwachen und Opfer stehen." Zudem dürften sich religiöse Vertreter in ihren Ansprüchen nicht über andere stellen, denn jeder Mensch sei ein Bild Gottes und "wir sind alle Brüder und Schwestern", so Marx.

Europa muss sich auf Werte besinnen

Marx stellte Parallelen zwischen russischer Propaganda und Äußerungen in der US-Politik fest. In beiden fänden sich vermehrt antiliberale, Freiheit oder Solidarität unterminierende Tendenzen. Er forderte, Europa müsse sich dagegen neu auf seine Werte besinnen: "Wir brauchen eine Erneuerung unserer Position, unserer Ideen, eine Verständigung auf unsere gemeinsamen Werte."

Mehrere Staaten haben Sanktionen gegen Kyrill I. verhängt, weil das Kirchenoberhaupt als wichtiger Verbündeter Putins den Krieg gegen die Ukraine unterstützt. (KNA)