Amnesty: Regierung in China geht härter gegen Christen vor
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beklagt, dass die chinesische Regierung mit größer gewordener Härte gegen christliche Gruppen außerhalb der Staatsorganisationen vorgeht. "Im Verlauf des vergangenen Jahres haben die Behörden ihre Kontrollen über religiöse Gruppen verstärkt, dazu gehören gesetzeswidrige Überwachung, Razzien und unfaire Gerichtsverfahren", erklärte die stellvertretende Asien-Regionaldirektorin Sarah Brooks in einer Mitteilung am Montag. Das führe zu "vermehrten Attacken gegen Einzelne, allein weil sie friedlich ihr Recht auf Religionsfreiheit wahrnehmen".
Anlass der Äußerung war eine Polizeiaktion gegen die "Early Rain Covenant Church", eine protestantische Hauskirche. Polizeikräfte hatten laut Angaben der Kirche den Gottesdienst am vergangenen Sonntag in Jiangyou in der Provinz Sichuan gestürmt und 30 Gemeindemitglieder zu Befragungen abgeführt sowie zwei Leitungspersönlichkeiten festgenommen. Die Gemeindemitglieder kamen später auf freien Fuß, die Leiter sind noch in Haft.
"Belästigt und eingeschüchtert"
Mitglieder der Kirche seien "seit Jahren belästigt und eingeschüchtert" worden, so Brooks. Der Gründer der Kirche, Wang Yi, wurde 2019 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Bereits 2018 waren 100 Gemeindemitglieder festgesetzt worden. Amnesty International fordert, die nun Festgenommenen freizulassen, die Aktionen gegen Christen einzustellen und die freie Ausübung der Religion sicherzustellen.
Christliche Kirchen in China müssen sich in Form von staatlichen Vereinigungen dem Amt für religiöse Angelegenheiten unterstellen, für die katholische Kirche ist das etwa die "Chinesische Katholisch-Patriotische Vereinigung". Durch diese offiziell vom Staat anerkannten Kirchen kontrolliert die Regierung das religiöse Leben. Von diesen staatlichen Organisationen unabhängige – und damit illegale – Hauskirchen sind immer wieder Repressionen ausgesetzt. Die Situation der Hauskirchen ist allerdings je nach Provinzregierung sehr unterschiedlich. Zwischen dem Vatikan und der chinesischen Regierung gibt es seit 2018 eine geheime Vereinbarung, die die Ernennung von Bischöfen regelt. (cph)
