Veitsdom in Prag

Mittelalterliche Kathedrale mit Orgelweihe endlich vollendet

Veröffentlicht am 16.06.2026 um 16:00 Uhr – Lesedauer: 

Prag ‐ 121 Register, 5.755 Pfeifen und mehr als 12.000 Spender: Im Prager Veitsdom ist die neue Orgel offiziell in Betrieb. Ihr Klang markiert einen Meilenstein.

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Generationen von Kirchenmusikern, Gläubigen und Priestern haben darauf gewartet: Im Prag ist die neue Orgel des Veitsdoms auf dem Hradschin gesegnet worden. Erzbischof Stanislav Pribyl bezeichnete das Instrument bei einem Festgottesdienst am Montag als neue Stimme der Kathedrale, "die nicht mit Worten sprechen wird und dennoch zum Herzen der Menschen sprechen kann". Gesegnet wurde die Orgel mit 121 Registern, 5.755 Pfeifen und zwei Spieltischen vom emeritierten Erzbischof Jan Graubner; im Gottesdienst waren Werke von Antonin Dvorak, Georg Friedrich Händel, Camille Saint-Saëns und Joseph Haydn zu hören. Die Feier gilt auch als symbolischer Abschluss des fast sieben Jahrhunderte währenden Baus der bedeutendsten Kirche Tschechiens auf der Prager Burg.

Die speziell für die außergewöhnliche Akustik des Veitsdoms konzipierte Orgel entstand in der Werkstatt des Orgelbauers Gerhard Grenzing in El Papiol bei Barcelona. Grenzing bezeichnete das Projekt als einen Höhepunkt seines beruflichen Lebens und sprach von einem "wahren Kunstwerk, das der Musik, der Liturgie und der Architektur der Kathedrale dient". Für die äußere Gestaltung zeichnete der Designer Peter Olah verantwortlich. Die scheinbar schwebenden Pfeifen werden durch rund 180 Elemente aus böhmischem Kristall ergänzt. "Wir wollten kein Objekt schaffen, das die Kathedrale dominiert, sondern eines, das mit ihr in Dialog tritt", erklärte Olah.

Die Initiative zur Errichtung des Instruments geht auf den vor einem halben Jahr gestorbenen Kardinal Dominik Duka (1943–2025) zurück. Bald nach seinem Amtsantritt als Prager Erzbischof im Jahr 2010 hatte Duka begonnen, über eine grundlegende Aufwertung der Kathedrale nachzudenken. Nachdem die Beleuchtung erneuert und der Chorraum restauriert worden waren, setzte sich Duka für den Bau einer repräsentativen Kathedralorgel ein. Der Kardinal brachte das Projekt ins Rollen und initiierte eine Spendenkampagne.

Tausende Spender für Orgel

Mehr als 12.000 Spenderinnen und Spender beteiligten sich und finanzierten so den Löwenanteil der Kosten des Millionenprojekts. Die entscheidende Umsetzungsphase im Veitsdom fiel dann in die Zeit von Graubner als Erzbischof von Prag ab 2022. Bereits bei der Beisetzung von Duka im vergangenen November war der Klang der neuen Orgel zu hören. Zur offiziellen Segnung und Inbetriebnahme in dieser Woche gibt es eine mehrtägige Konzertreihe. Am 22. Juni folgt ein Dankgottesdienst.

Die Geschichte der Orgelmusik im Veitsdom reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die erste verlässliche Erwähnung einer Orgel stammt aus der Zeit von König Ottokar II. Premysl. Damals ließ der Dekan des Domkapitels eine neue Orgel für 26 Mark Silber errichten. Das Instrument war vergleichsweise klein; gespielt wurde es teilweise mit Fäusten oder Ellenbogen. Während der Regierungszeit Karls IV. entstand vermutlich eine weitere Orgel.

Einen besonderen Höhepunkt stellte das sogenannte "Kaiserliche Instrument" dar, das auf Veranlassung von Kaiser Ferdinand I. errichtet und 1570 fertiggestellt wurde. Es erklang nicht nur bei Gottesdiensten, sondern auch bei den Krönungen böhmischer Könige. Diese Orgel wurde 1757 während der preußischen Belagerung Prags zerstört. Als Nachfolger entstand 1765 die barocke Orgel des Orgelbauers Johann Anton Gartner mit 2.619 Pfeifen. Teile dieses Instruments sind bis heute erhalten. Nach der Vollendung des Veitsdoms im Jahr 1929 war zwar eine neue große Westorgel vorgesehen, doch fehlten die finanziellen Mittel. Stattdessen wurde 1930 eine provisorische Orgel auf der alten Nordempore installiert. Diese erwies sich für den gewaltigen Kirchenraum als unzureichend. Die für eine repräsentative Kathedralorgel vorgesehene Westempore blieb mehr als 90 Jahre lang leer. Erst mit der nun eingeweihten Grenzing-Orgel wurde die ursprüngliche Vision vollendet. (KNA)