Standpunkt

Vergleiche zwischen Kirchenvätern und Päpsten nicht hilfreich

Veröffentlicht am 17.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Brüwer – Lesedauer: 

Bonn ‐ In den vergangenen Tagen mehren sich Vergleiche zwischen Papst Benedikt XVI. und Augustinus, kommentiert Christoph Brüwer. Dabei sei jedoch Vorsicht geboten, denn solche Vergleiche könnten sogar eine Gefahr bergen.

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Aus seiner Verehrung für den heiligen Augustinus hat der ehemalige Papst Benedikt XVI. (2005–2013) keinen Hehl gemacht. Benedikt nannte den Kirchenvater einst "einen der größten Konvertiten der Kirchengeschichte" und "den größten Vater der lateinischen Kirche". Dass posthum nun auch Parallelen zwischen Augustinus und dem – ebenfalls brillanten – Theologen Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. gezogen werden, liegt daher auf den ersten Blick nahe. So bezeichnete der Direktor der vatikanischen Ratzinger-Stiftung, Roberto Regoli, Benedikt XVI. als "geistigen Bruder" des Kirchenvaters. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner prophezeite gar, der verstorbene Papst werde "irgendwann in einem Atemzug mit Augustinus" genannt werden.

Solche Vergleiche sind aber häufig wenig hilfreich – und bergen sogar eine Gefahr. Es ist ein Grundsatz der Geschichtswissenschaft, dass historische Persönlichkeiten immer im Kontext ihrer jeweiligen Zeit bewertet werden sollten. Und zwischen den Lebenszeiten von Augustinus und Benedikt XVI. liegen über 1.500 Jahre. Eine Zeit, in der sich nicht nur die Kirche, sondern auch die Welt weiterentwickelt hat. Die Voraussetzungen und Herausforderungen für beide Theologen sind daher nur schwer miteinander zu vergleichen.

Wer hat also mehr geleistet? Wer hat mehr theologische Aufsätze, wer mehr Predigten verfasst? Wer war prägender für die Kirchengeschichte? Solche Fragen führen nicht weiter.

Im schlimmsten Fall könnten diese Vergleiche sogar benutzt werden, um unliebsame Päpste zu diskreditieren. Denn wenn die theologische Qualität von Benedikt XVI. an die der Kirchenväter heranreicht – warum sollten uns dann die Äußerungen seiner direkten Nachfolger interessieren? Ein Impuls, der bei konservativen bis traditionalistischen Gläubigen im Pontifikat von Franziskus (2013–2025) durchaus zu beobachten war. Ein anderer Blickwinkel wäre dabei hilfreicher. Lackner brachte es in seinem Interview auf den Punkt: Jeder Papst sei "eine neue Überraschung ein und desselben Heiligen Geistes".

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.