Einflussreicher Kardinal Ruini gestorben
Kardinal Camillo Ruini, einer der einflussreichsten Kirchenmänner Roms und Italiens, ist tot. Der aus Modena stammende Geistliche starb am Dienstagabend im Alter von 95 Jahren in Rom. Papst Leo XIV. wird die Trauermesse für Ruini leiten, wie der Vatikan am Mittwoch ankündigte. Sie findet demnach am Donnerstag um 16:30 Uhr am Cathedra-Altar im Petersdom statt. Als Stellvertreter des Papstes für das Bistum Rom gehörte Ruini von 1991 bis 2008 zu den engsten Mitarbeitern von Papst Johannes Paul II. und später von Benedikt XVI. Gleichzeitig leitete er bis 2007 die große Italienische Bischofskonferenz.
Leo XIV. würdigte den Verstorbenen als tiefgläubigen Kirchenmann mit scharfem Verstand und Weitblick. Ruini habe seine Aufgaben bis zum Ende seines langen Lebens mit großer Hingabe zum Wohl der Kirche ausgeübt, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Beileidstelegramm des Papstes. Das Schreiben richtet sich an Ruinis Nachfolger als Generalvikar des Bistums Rom, Kardinal Baldassare Reina. Ruinis Tod wecke in ihm tiefe Erinnerungen und Dankbarkeit "für das Wirken dieses hochverehrten Mannes der Kirche", so der Papst. Der "weise und erfahrene Bruder" habe der Kirche mit Besonnenheit und Selbstverleugnung gedient. Hervorzuheben seien Ruinis segensreiches Wirken für die Italienische Bischofskonferenz und sein "fruchtbarer Dialog mit der Welt der Kulturen".
Als Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz bestimmte Ruini die Linie der Kirche in Gesellschaft und Politik. In seiner Zeit durchlief Italien große Veränderungen wie den Zerfall der Partei "Democrazia Cristiana", der jahrzehntelangen Verbündeten der katholischen Kirche des Landes. An die Stelle des katholischen Blockdenkens setzte Ruini danach das "kulturelle Projekt" einer kirchlichen Durchdringung von Staat und Gesellschaft jenseits der Parteigrenzen.
Unterstützer von Silvio Berlusconi
Nach dem Niedergang der Christdemokraten Mitte der 1990er-Jahre stützte Ruini den langjährigen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi (1936–2023). An der Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst im Jahr 2005 war Ruini entscheidend beteiligt. Nach der Emeritierung betraute Benedikt XVI. den Kardinal 2010 mit der Leitung der Untersuchungskommission für die Vorgänge im Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina. Wiederholt meldete sich Ruini zu aktuellen Vorgängen in Italien zu Wort und trat auch im Ruhestand weiter für eine Beteiligung der Kirche am politischen Diskurs ein. (tmg/KNA)
17.6., 13:40 Uhr: Ergänzt um Trauermesse. 15:10 Uhr: Ergänzt um Würdigung des Papstes.
