Kirche werde nicht schweigen

Bischof Feige: AfD versucht, uns "verbal niederzuknüppeln"

Veröffentlicht am 17.06.2026 um 11:00 Uhr – Lesedauer: 

Magdeburg ‐ "Ich hoffe, dass das nicht unser letzter derartiger Empfang unter freiheitlich-pluralistischen Bedingungen gewesen ist": Bischof Gerhard Feige blickt mit Sorge auf die kommende Landtagswahl – und gibt der AfD Kontra.

  • Teilen:

Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige blickt mit Sorge auf die kommende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. "Ich hoffe, dass das nicht unser letzter derartiger Empfang unter freiheitlich-pluralistischen Bedingungen gewesen ist", sagte der Bischof beim ökumenischen Empfang der Kirchen in Sachsen-Anhalt am Dienstagabend in Magdeburg mit zahlreichen Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft. Am 6. September ist Landtagswahl; die als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD liegt in Umfragen bei 42 Prozent. Feige merkte an, dass die Partei mit dem Slogan "Wieder sagen, was man denkt" werbe, und: "Absurder- und lächerlicherweise versucht dieselbe Partei, uns dafür aber schon länger verbal niederzuknüppeln."

Die Kirchen würden auch weiterhin, ob unter freiheitlich-demokratischen oder auch unter autoritär-diktatorischen Bedingungen, Partei ergreifen und sich für die Achtung der Menschenwürde und -rechte, Freiheit, Toleranz, Solidarität und Nächstenliebe einsetzen, betonte Feige. Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer ergänzte unter Applaus: "Wir sind vielstimmig, eng verbunden und setzen auf liberale Demokratie." Christlicher Glaube halte daran fest, dass Hoffnung kein frommer Zusatz, sondern eine Grundhaltung sei.

Laut Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) geht viel Positives auf die Kirchen zurück. Sie leisteten einen großen Beitrag für Menschenrechte, Demokratie und soziale Gerechtigkeit, sagte er. "Ich persönlich bin überzeugt, dass Kirche nicht nur politisch sein darf, sondern auch sein muss." Er finde es richtig, dass die Kirchen engagiert zum Wählen aufriefen, und es sei wichtig, darüber zu sprechen, was manche Parteien mit dem Land vorhätten.

Wann sollten sich Kirchen politisch einmischen?

Der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttmann erklärte im Festvortrag, dass das Christentum seiner Ethik wegen nie unpolitisch sein könne. "In Zeiten, in denen weder das System des demokratischen Rechtsstaats noch Grundrechte wesentlich bedroht sind, kann eine Kirche sich eher politisch zurückhalten als in einer Zeit gravierender Krisen und extremistischer Angriffe auf die menschenwürdige Ordnung der liberalen Demokratie", so Püttmann. "Dann müssen sich Kirchen eher mehr als weniger zu Wort melden, gegen den Trend." Das gelte insbesondere bei der Verteidigung angefochtener ethischer Positionen, auch wenn man sich damit unbeliebt mache.

Wichtig sei auch, das Ganze mit fundiertem christlichem Sachverstand vorzubringen: "Überschießende Schärfe prägt unsere Debatten eh schon inflationär und steht einer Kirche so schlecht zu Gesicht wie opportunistisches Schweigen." Am ehesten könnten Kirchen auf politische Einmischung verzichten, wo ihre Haltung schon en vogue sei, sagte Püttmann. Auch in Gottesdiensten rät er eher zu "politischer Diät", aus Gründen des Glaubens wie der Vernunft. (tmg/KNA)