Studie dokumentiert Missbrauch und Gewalt durch Ordensleute
An einer Ordensschule und einer Pfarrei im münsterländischen Reken hat es einer Studie zufolge körperliche, sexuelle und psychische Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gegeben. "Die 14 bis 15 Täter waren ganz überwiegend Ordensmitglieder und Gewalt fand in allen Tätigkeitsbereichen des Ordens statt", teilten die Kölner Rechtsanwältinnen Petra Ladenburger und Martina Lörsch am Donnerstag mit.
Von Oktober 2024 bis Mai 2026 hatten sie Gewaltfälle im Konvent Maria Veen der Kongregation der Missionare von Mariannhill in Reken untersucht. Dabei ging es um das vom Orden gegründete Gymnasium mit Internat sowie die Tätigkeiten von Ordensmitgliedern in der Pfarrei Maria Veen. Die Anwältinnen werteten Dokumente aus und sprachen mit Betroffenen.
Studie: Viele Fälle strafbar
Laut Studie ereigneten sich die verschiedenen Fälle in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren. Die meisten seien strafbar gewesen – auch nach damals geltendem Recht. Es habe jedoch an Sanktionierungswillen gemangelt. Stattdessen seien Beschuldigte versetzt und wichtige Informationen nicht weitergegeben worden. "Auch ist uns die mangelhafte Übernahme von Leitungsverantwortung durch die Ordensleitung aufgefallen", so Ladenburger und Lörsch.
Die Betroffenen hätten von etlichen Auswirkungen auf das spätere Leben berichtet, zum Teil von Suizidgedanken. Der Orden habe es auch nach 2010 an Einfühlungsvermögen und Engagement im Umgang mit ihnen fehlen lassen. Die Anwältinnen empfahlen unter anderem eine systematische Sammlung von Missbrauchsfällen für die gesamte Ordensprovinz, eine klare Aktenführung, eine Verbesserung der Gesprächskultur und eine sichtbare Verantwortungsübernahme. Die Ordensleitung hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. (KNA)
