Wiener Erzbischof an Neupriester

Grünwidl: Priesterweihe ist Immunisierung gegen Klerikalismus

Veröffentlicht am 22.06.2026 um 11:05 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Fünf Männer weihte der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl am Wochenende zu Priestern. Das Weihesakrament sei etwas Großes, aber keine Auszeichnung, sagte er zu ihnen – und gab ihnen ein paar Ratschläge mit auf ihren Weg.

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Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl hat Neupriester zu einer dienenden Haltung aufgerufen. Das Sakrament der Weihe sei "etwas Großes und Heiliges", aber keine persönliche Auszeichnung und keine Ehre, sondern "Beauftragung zum Dienst am Volk Gottes", sagte er am Samstag bei der Priesterweihe im Wiener Stephansdom. Die Priesterweihe sei das "Sakrament der Immunisierung gegen jede Form des Klerikalismus."

In seiner Predigt machte Grünwidl drei Grundhaltungen für den priesterlichen Dienst aus: Gottvertrauen, Menschennähe und Mut zum Träumen. Zu den fünf Männern, denen er die Priesterweihe spendete, sagte der Erzbischof: "Ihr setzt heute einen mutigen Schritt, stellt euch Gott zur Verfügung, seid bereit, am Aufbau seines Reiches mitzuwirken, und tretet als Priester in den Dienst der Kirche." Ihr Weg sei nicht einfach Ergebnis von Planung und Organisation, sondern Antwort auf einen Ruf.

Suche nach Reich Gottes

Die Glaubwürdigkeit eines Priesters hänge nicht zuerst an Programmen, Projekten und Leistung, betonte der Erzbischof. Wörtlich sagte Grünwidl: "Nicht so sehr, was ihr tut, sondern wer ihr seid und wie ihr euren Glauben lebt, euer Mut zum Gottvertrauen, eure Beziehung zu Jesus Christus, eure Suche nach dem Reich Gottes macht euch als Priester glaubwürdig und hilfreich." Nicht Kirchenkrise und Probleme sollten im Mittelpunkt stehen, sondern Freude und Dankbarkeit. Sein Zuruf an die Neupriester: "Seid mutig! Sorgt euch zuerst um das Reich Gottes, und traut seinem Wort mehr als den Schwarzsehern und den Unheilpropheten.“

Priestersein heiße zuerst, Mensch zu bleiben, Bruder der Menschen zu bleiben und Christ zu sein, so Grünwidl. "Wir brauchen Priester mit dem Stallgeruch der Herde", sagte er in Bezug auf den berühmten Ausspruch von Papst Franziskus (2013–2025). Den Neupriestern gab er eine Regel mit auf den Weg, die er als "4-M-Regel" bezeichnete: "Menschen muss man mögen." Er wünschte ihnen ein weites Herz und eine große Liebe zu den Menschen, besonders zu den Kleinen, Armen und Kranken. (mal)