Grundsatzrede vor Welternährungsprogramm der UN

Papst Leo XIV.: Nationale Egoismen schwächen Kampf gegen Hunger

Veröffentlicht am 22.06.2026 um 15:15 Uhr – Lesedauer: 

Rom ‐ Oft ist es ein Teufelskreis aus Konflikten und Hunger, aus dem betroffene Länder nicht mehr herausfinden. Dabei müsste heute niemand mehr hungern, meint der Papst – und fordert mehr Einsatz von Politik und Gesellschaft.

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Papst Leo XIV. hat zu einem stärkeren internationalen Engagement gegen Hunger und Mangelernährung aufgerufen und dabei eine Krise der staatenübergreifenden Zusammenarbeit beklagt. In einer Grundsatzrede vor dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) am Montag in Rom betonte er, Hunger sei nicht nur eine humanitäre Herausforderung, sondern gefährde sozialen Zusammenhalt, Frieden und nachhaltige Entwicklung.

"Heute haben sich Krisen von isolierten Ereignissen zu dauerhaften Realitäten entwickelt, gekennzeichnet durch lang anhaltende Konflikte, chronische Ernährungsunsicherheit, wirtschaftliche Volatilität und zunehmende Anfälligkeiten gegenüber dem Klimawandel", sagte er vor Teilnehmern der jährlichen Sitzung des WFP-Verwaltungsrats, zu der er vom Exekutivdirektor des UN-Programms eingeladen worden war. Der Papst beklagte, die internationale Ordnung sei zunehmend von Misstrauen und Konflikten geprägt. Statt gemeinsamer Verantwortung dominierten nationale Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen. Trotz einer nie dagewesenen globalen Produktionskapazität nähmen Armut und Verwundbarkeit in vielen Regionen zu. Humanitäre Anliegen müssten dabei immer häufiger hinter politischen und strategischen Prioritäten zurückstehen.

Leo XIV. warnte vor einer "Bürokratisierung der Solidarität" und einer "stillen Kommerzialisierung menschlichen Lebens". Hilfe werde oft durch komplizierte Verfahren verzögert, während der Zugang zu lebensnotwendigen Gütern von wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen beeinflusst werde. "Infolgedessen laufen diejenigen, die keinen messbaren Wert erzeugen, Gefahr, unsichtbar zu werden. Diese doppelte Dynamik schafft eine ernste ethische Herausforderung: Der Mensch steht nicht länger durchgängig im Mittelpunkt internationalen Handelns."

"Konflikte werden leichter genährt als Menschen ernährt"

Zugleich gelangten Waffen leichter in Krisengebiete als Hilfsgüter. "Konflikte werden leichter genährt als Menschen ernährt", kritisierte der erste US-Amerikaner im Papstamt in seiner auf Englisch gehaltenen Rede. Das WFP würdigte Leo XIV. als konkreten Ausdruck internationaler Solidarität. Besonders lobte er langfristige Programme wie die Versorgung von Schulkindern mit Mahlzeiten. Solche Initiativen stärkten Bildung, gesellschaftliche Widerstandskraft und die Würde des Menschen.

Zugleich forderte der Papst eine engere Zusammenarbeit mit Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Gerade in Regionen mit eingeschränktem humanitärem Zugang seien lokale Partner unverzichtbar. Die katholische Kirche erreiche mit ihren Pfarreien, Diözesen und Caritas-Einrichtungen häufig Menschen in Gebieten, die für andere internationale Akteure kaum zugänglich seien. Nahrung, Wasser und Gesundheitsversorgung dürften nicht Marktlogiken oder geopolitischen Interessen untergeordnet werden, mahnte Leo XIV. Die Glaubwürdigkeit internationaler Zusammenarbeit werde sich daran messen lassen, ob es gelinge, das Wohl der Schwächsten in den Mittelpunkt politischen Handelns zu stellen.

Nach seiner Rede, für die er stehenden Beifall erhielt, dankte der Papst WFP-Mitarbeitenden, die teils vor Ort, teils aus dem Libanon, Südsudan und Venezuela zugeschaltet waren. Ihre Arbeit sei auch ein Dienst an der Menschenwürde und gebe den Betreffenden lebenswichtige Hoffnung, betonte Leo XIV. bei seinem rund einstündigen Besuch. Als erster Papst hatte Franziskus die UN-Organisation im Juni 2016 besucht. Das WFP wurde 1961 gegründet und leistet humanitäre Hilfe in Krisen und bei Hungersnöten. Im Rekordjahr 2024 gab es dafür 9,6 Milliarden Euro aus und half rund 125 Millionen Menschen in Not. Mit Abstand größter Geldgeber des WFP sind auch unter Präsident Donald Trump die USA mit rund 4 Milliarden Euro, gefolgt von Deutschland mit etwa einer Milliarde Euro. (KNA)