Philosophin: Leos Schweigen zu queeren Menschen ist bemerkenswert
Die Philosophin Maren Behrensen streicht heraus, dass in der Enzyklika "Magnifica humanitas" queere Menschen nicht in die Ideologiekritik des Papstes eingeschlossen werden. "Dass queere Menschen und queere Familien hier nicht angesprochen werden, dass sie nicht als Symptome einer gesellschaftszersetzenden Gender- oder Trans-Ideologie verächtlich gemacht werden, ist bemerkenswert", schreibt sie in einem Beitrag für das Portal "Feinschwarz" am Dienstag. "Magnifica humanitas hält sich aus diesem Kulturkampf heraus und vermeidet damit auch jene Lügen über transidente Menschen und jene schiere Verachtung wissenschaftlicher Evidenz, die diesen Kampf bestimmen."
Wo andere Vatikandokumente wie etwa "Dignitas infinita" noch die angebliche Würdelosigkeit queerer Menschen beklagt hätten, "konzentriert sich Leo XIV. auf diejenigen, die tatsächlich eine Gefahr für unsere Gemeinwesen und unseren Planeten darstellen", so Behrensen weiter. "Dass Magnifica humanitas sich nicht in der Tradition von Benedikt XVI. oder Franziskus über schwule Unterwanderung oder Gender als Kolonialismus auslässt, bedeutet selbstverständlich nicht, dass sich die kirchliche Lehre zu diesen Fragen geändert hätte." Gelebte Homosexualität und Transidentität blieben Sünde. "Leo XIV. selbst hat unlängst bei vielen deutschen Gläubigen für Enttäuschung gesorgt, als er bischöfliche Pläne zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare zurückwies. Relevant ist jedoch auch, was er im Zusammenhang dieser Zurückweisung sagte: dass es wichtigere Themen für die Ethik gebe als die Sexualmoral."
KI-Kontrolle gefordert
In seiner ersten Enzyklika "Magnifica humanitas" hatte Papst Leo XIV. wertebasierte Regeln und gesellschaftliche Kontrolle beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) gefordert. Dabei hatte er auch die großen Tech-Unternehmen hinter den KI-Modellen kritisiert. Er rief Christinnen und Christen zu Widerspruch auf: "In der Zeit der Künstlichen Intelligenz, in der die Menschenwürde aufgrund neuer Formen von Entmenschlichung in den Hintergrund zu treten droht, haben wir die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben."
Besondere Kritik widmete der Papst vor allem trans- und posthumanistischen Bewegungen: "Wenn der Mensch als Material behandelt wird, das man vervollkommnen oder überwinden muss, dann wird es leichter akzeptabel, dass einige Menschen als weniger nützlich, weniger liebenswert, weniger würdig angesehen werden." Deshalb müsse klar unterschieden werden: "Es ist eine Sache, Technologien in eine menschliche und beziehungsorientierte Sicht zu integrieren; etwas ganz anderes ist es, sich von einer Vorstellungswelt leiten zu lassen, die Begrenztheit herabwürdigt und ein rein technisches 'Heil' verheißt." Die Enzyklika war innerhalb und außerhalb der Kirche auf sehr wohlwollende Annahme gestoßen. (cph)
